Afghanistan Today - Failures and Achievements

Die Außen- und Sicherheitspolitische Hochschulgruppe Heidelberg lud S.E. Prof. Ali Ahmad Jalali, Botschafter der Islamischen Republik Afghanistan zu einem Vortrag über die aktuelle Situation in seinem Heimatland ein. Die Veranstaltung fand in den Räumen und in Kooperation des Südasien Institut der Universität statt.

S.E. Prof. Ali Ahmad Jalali, Botschafter der Islamischen Republik Afghanistan berichtete über die Fortschritte und aktuellen Herausforderungen in Afghanistan.

Heidelberger Studierende im Heinrich-Zimmer Saal des Südasien-Institut der Universität Heidelberg (SAI).

Wahid Watan-Yar von der Außen- und Sicherheitspolitischen Hochschulgruppe Heidelberg begrüßt den Botschafter und die anwesenden Gäste.

„Lasst sie doch in den Bergen sitzen“ sagten die russischen Soldaten während der Besatzung Afghanistans über die Taliban, „Wir kümmern uns um sie falls sie herunter kommen“. Eine Strategie, so berichtet Seine Exzellenz Botschafter Ali Ahmad Jalali, die sich durch große Teile der verschiedenen Interventionen in Afghanistan durchgezogen hat. Auch der Sturz der Taliban Regierung durch die USA 2001 hatte einen Rückzug der Gruppen in ländliche Regionen zur Folge. Diese schienen wesentlich schwerer zu erobern und strategisch unwichtig.

 

Das Problem bestehe, so der Botschafter, bis heute: die afghanische Regierung kontrolliere Großstädte und Zentren der Wirtschaft während sich der Großteil der ländlichen und Bergregionen weiterhin ungebrochen unter der Herrschaft der Taliban befänden. Diese können hier auf eine mittlerweile starke Infrastruktur zugreifen, die ihnen den Anbau und Vertrieb von Drogen ebenso ermöglicht, wie das erheben eigener Steuern und vielem mehr. Sie schafften es so, die betroffenen Bürger vom Staat zu isolieren und kontrollieren.

 

Botschafter Jalali, der selbst als Offizier diente und vor seinem Amt als Innenminister Afghanistans unter anderem an namenhaften US-Militärakademien lehrte, bewertete die innere Lage des Landes als Pattsituation zwischen staatlichen und aufständischen Kräften. Dazu beigetragen habe allerdings auch das internationale Engagement: der Aufbau von Polizei, Militär und Justiz sei von zu vielen verschiedenen Akteuren mit unterschiedlichen Zielen und zu wenig gegenseitiger Abstimmung betrieben worden. Dadurch büßten die Maßnahmen einen wesentlichen Teil ihrer Effektivität ein. Auch seien finanzielle Hilfen und wirtschaftliche Investitionen vor allem direkt an private Unternehmer geflossen und wurden nicht über Afghanistans eigene wirtschaftliche Aufbauprogramme geleitet.

 

In der sich anschließenden Fragerunde gab er sich optimistisch, dass gerade eine Verbesserung der Beziehungen zu Pakistan eine Stabilisierung begünstigen würde: das Grenzgebiet der beiden Länder und einige Regionen Pakistans sind Rückzugs- und Ausbildungsgebiete für Aufständische Kämpfer. Wenig besorgt zeigte er sich in Bezug auf die protektionistischen Züge der neuen US-Regierung: es sei auch im Interesse der USA das Engagement in Afghanistan nicht vollkommen einzustellen.