Willkommen in der Krise: Crisis Management in Theorie und Praxis

Anfang August stand in München die vierte Auflage des Seminars Wirtschaft & Sicherheit an, bei dem sich in diesem Jahr alles um Krisenmanagement drehte. Das Seminar bot nicht nur die Möglichkeit sich mit Experten über ihren Arbeitsalltag und Innovationen in diesem Bereich auszutauschen, sondern versetzte die Studierenden in einer Simulation auch selbst in die Rolle von Krisenmanagern.

(© BSH)

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#bundestagshack – was mit einem Hashtag begann, bestimmte innerhalb weniger Minuten die Nachrichten in ganz Deutschland. Kaum war die Meldung, dass es einen Cyberangriff auf den Deutschen Bundestag gegeben hatte, an die Öffentlichkeit gelangt, standen im Parlament die Telefone nicht mehr still. Obwohl die Kommunikationsabteilung sich umgehend über soziale Medien zu den Gerüchten äußerte, prasselten schon kurze Zeit später von allen Seiten Anfragen auf sie ein. Besorgte Bürger brachten auf der Suche nach Ansprechpartnern die Telefonleitungen im ganzen Haus zum Glühen, und Journalisten ließen sich oft nur im Austausch gegen neue Informationen zufrieden stellen. Viele neue Entwicklungen drangen so schneller nach außen als von den zuständigen Stellen gewünscht.

 

Während man intern noch die neuesten Erkenntnisse aus der IT-Abteilung sortierte, verlief auch die Kommunikation nach innen nicht fehlerfrei. Obwohl schon kurz nach Bekanntwerden des Angriffs umfassende Informationen zum Vorfall an die Abgeordneten verschickt worden waren, fühlten sich einige Betroffene unzureichend informiert – und manche von ihnen machten ihrem Unmut über den schleppenden Informationsfluss im eigenen Haus wiederum in den sozialen Medien Luft.

Praxisworkshop mit Kommunikationsexperten

So oder so ähnlich hätten sich die Reaktionen auf einen Cyberangriff auf den Bundestag entwickeln können - das beschriebene Szenario war an den Cyberangriff auf den Bundestag Mitte 2015 angelehnt. Eingespielt wurde es durch Kommunikationsexperten der strategischen Unternehmensberatung CNC Communications and Network Consulting, welche die Seminarteilnehmer mit simulierten Bürgeranfragen, Social Media-Kanälen und Agenturmeldungen innerhalb kurzer Zeit an ihre Belastungsgrenzen führten. „ Das Situation entwickelt sich unfassbar schnell und ist unheimlich komplex – und dabei muss dann noch die eigene Message rüberkommen“, fasste ein Teilnehmer die Herausforderungen der Simulation zusammen.

 

Die Konzepte und theoretischen Grundlagen des Krisenmanagements waren tags zuvor in einem Workshop erörtert worden. So erarbeitete Kristof Riecke mit den Studierenden potentielle Gefahren für Wirtschaftsunternehmen und deren Reaktionsmöglichkeiten. Neben der Krisenkommunikation stand dabei vor allem die Sicherheit von Auslandsmitarbeitern in Krisenstaaten im Mittelpunkt. Fabian Fischbach gab den Seminarteilnehmern wiederum einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand über Bedrohungen im Bereich der Wirtschaftskriminalität und der Informationssicherheit.

Vor-Ort-Einblicke in München

Abgerundet wurde das diesjährige Programm durch zwei Exkursionen, die ganz im Zeichen aktueller Ereignisse in der Region standen. Im Bayerischen Innenministerium stellte Ministerialrat Herbert Feulner den Teilnehmern die Reaktionsmöglichkeiten bei Naturkatastrophen, wie etwa dem Hochwasser 2014, vor. Darüber hinaus diskutierten die Studierenden mit ihm die mögliche Rolle des Katastrophenschutzes im Falle eines Terroranschlags in Deutschland. Daran schloss sich nahtlos ein Besuch am Flughafen München an, bei dem das lokale Krisen- und Notfallmanagement im Mittelpunkt stand.

 

Das Seminar Wirtschaft & Sicherheit findet einmal im Jahr und mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten statt. Inhaltliche und organisatorische Details zum Seminar im kommenden Jahr werden im Frühjahr 2017 veröffentlicht.