Bereits in seiner Videobotschaft setzte Boris Rhein klare Akzente: Hessen stehe fest an der Seite der Bundeswehr. Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Lage brauche es eine entschlossene Investitionsoffensive, die sowohl die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands stärke als auch lokale Wertschöpfung und wirtschaftliche Resilienz fördere. Sicherheitspolitik sei längst zu einem Standortfaktor geworden.
Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef betonte in seinen Grußworten die Dringlichkeit einer realistischen sicherheitspolitischen Einordnung der Gegenwart. Politik müsse „vor die Lage kommen“, nicht lediglich auf Krisen reagieren. Sicherheitspolitik betreffe uns alle – weit über militärische Fragen hinaus. Resilienz, gesellschaftlicher Zusammenhalt und demokratische Verantwortung seien zentrale Pfeiler. Besonders hob er die Rolle der Reservisten hervor, die als Brücke zwischen Bundeswehr und Gesellschaft dienten. Demokratie, so Josef, bedeute immer auch Verantwortung.
Im Zentrum des Abends stand der Vortrag von General Neumann, der die strategische Ausrichtung der Luftwaffe im veränderten sicherheitspolitischen Umfeld darlegte. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der NATO-Ostflanke sowie der Nordflanke im Rahmen der Missionen „Eastern Sentry“ und „Arctic Sentry“. Die veränderte Bedrohungslage erfordere eine dauerhafte Präsenz und hohe Reaktionsfähigkeit. Im Kontext des NATO Integrated Air and Missile Defence System (NATINAMDS) halte das Bündnis derzeit rund 30 Alarmrotten bereit, um Luftraumverletzungen unverzüglich zu begegnen, wie zuletzt bei Vorfällen im baltischen Raum im September 2025 deutlich wurde. Zugleich befinde sich der Luftkrieg in einem tiefgreifenden technologischen Wandel: Unbemannte Systeme, Drohnen, hypersonische Flugkörper und weitreichende Abstandswaffen veränderten Operationsführung, Reaktionszeiten und Verwundbarkeiten grundlegend. Dennoch bleibe der Kernauftrag der Luftstreitkräfte unverändert – das Erringen und Erhalten der Luftüberlegenheit sowie die Sicherstellung der Nutzung des Weltraums. Gerade der Weltraum gewinne zunehmend strategische Bedeutung, da moderne militärische Fähigkeiten in Kommunikation, Aufklärung und Navigation maßgeblich von weltraumgestützten Systemen abhingen. Ein möglicher Luftkrieg gegen die NATO würde daher anders geführt werden als der derzeitige Krieg in der Ukraine, da integrierte multinationale Strukturen, abgestimmte Doktrinen und vernetzte operationelle Fähigkeiten eine andere Dimension der Bündnisverteidigung darstellen.
Unser besonderer Dank gilt dem Reservistenverband der Bundeswehr für die Einladung zu diesem erkenntnisreichen Forum. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch und die zukünftige Zusammenarbeit!


