APSA 2026 – Von NATO bis OSINT: Sicherheitspolitik in der Praxis

Vier Tage, zahlreiche Perspektiven und intensive Diskussionen: Beim APSA-Seminar 2026 kamen Teilnehmende aus ganz Deutschland in Berlin zusammen.

Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Ministerien, Bundeswehr, Wirtschaft und sicherheitspolitischen Institutionen wurden aktuelle Herausforderungen diskutiert.

Von NATO und strategischer Kommunikation über Risikoanalyse und militärische Entscheidungsprozesse bis hin zu Open Source Intelligence bot das Programm vielfältige Einblicke in die sicherheitspolitische Praxis.

Dabei standen neben dem fachlichen Austausch insbesondere Diskussion, Vernetzung und das gemeinsame Lernen im Mittelpunkt.

Vom 16. bis 19. August 2026 kamen die Teilnehmenden des APSA-Seminars 2026 in Berlin zusammen, um sich vier Tage lang intensiv mit aktuellen sicherheitspolitischen Fragen, strategischer Kommunikation, unternehmerischer Risikoanalyse, militärischen Entscheidungsprozessen und Open Source Intelligence auseinanderzusetzen.

 

Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur Vorträge und Workshops, sondern vor allem der direkte Austausch mit Praktikerinnen und Praktikern aus Ministerien, Bundeswehr, Wirtschaft und sicherheitspolitischen Institutionen. Ergänzt wurde das Programm durch ein sicherheitspolitisches Pub-Quiz, ein Positionierungsspiel und zahlreiche Gelegenheiten zum gemeinsamen Austausch.

 

Wie entwickelt sich die NATO angesichts eines zunehmend herausfordernden geopolitischen Umfelds weiter? Welche Rolle spielt strategische Kommunikation für Sicherheitspolitik? Wie bewerten Unternehmen Bedrohungen und Risiken? Wie werden innerhalb der Bundeswehr Entscheidungen getroffen? Und welche Möglichkeiten bietet Open Source Intelligence, wenn Informationen heute in einem bislang ungekannten Umfang öffentlich verfügbar sind?

 

Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden während der vier Seminartage in Berlin.

 

Der Auftakt am Sonntag stand zunächst ganz im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens. Nach der Begrüßung und einer Vorstellung des Bundesverbands Sicherheitspolitik an Hochschulen begann das inhaltliche Programm mit einem sicherheitspolitischen Pub-Quiz. In verschiedenen Kategorien konnten die Teilnehmenden ihr Wissen testen, gemeinsam über Antworten diskutieren und sich zugleich in entspannter Atmosphäre kennenlernen.

 

Nach dem gemeinsamen Abendessen verlagerte sich das Programm in die Berliner Innenstadt. Bei einem Spaziergang durch Berlin und dem anschließenden Ausklang des Abends in einer Bar blieb ausreichend Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen und erste Kontakte zu vertiefen. Damit war zugleich die Grundlage für die zahlreichen Diskussionen geschaffen, die die folgenden Tage prägen sollten.

 

Der Montag begann im Bundesministerium der Verteidigung mit einem Blick auf die NATO im Spannungsfeld aktueller geopolitischer Herausforderungen. Im Mittelpunkt standen die Entwicklung des Bündnisses aus deutscher Perspektive, die sicherheitspolitischen Veränderungen der vergangenen Jahre und die politischen Diskussionen, mit denen sich die Allianz angesichts eines zunehmend komplexen internationalen Umfelds auseinandersetzen muss.

 

Besonders spannend war dabei der Einblick in die Frage, wie Deutschland auf diese Veränderungen innerhalb des Bündnisses blickt und wie politische, militärische und strategische Entwicklungen zusammengedacht werden müssen. Deutlich wurde, dass die Weiterentwicklung der NATO nicht losgelöst von den Veränderungen ihres sicherheitspolitischen Umfelds betrachtet werden kann, sondern immer auch Ergebnis politischer Diskussionen und der Abstimmung zwischen den Bündnispartnern ist.

 

Anschließend ging es zur Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Dort stand strategische Kommunikation am Beispiel der Übung Quadriga im Mittelpunkt. Der Vortrag zeigte eindrücklich, dass Sicherheitspolitik nicht allein davon abhängt, über militärische Fähigkeiten und politische Strategien zu verfügen. Ebenso entscheidend ist es, diese verständlich zu vermitteln, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und im Informationsraum glaubwürdig kommunizieren zu können.

 

Gerade in einem zunehmend unsicheren sicherheitspolitischen Umfeld und angesichts konkurrierender Narrative, Desinformation und einer immer schnelleren öffentlichen Kommunikation wurde deutlich, welchen Stellenwert strategische Kommunikation mittlerweile besitzt. Sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit bedeutet damit auch, politische Entscheidungen erklären und die eigene Kommunikation strategisch gestalten zu können.

 

Den Abschluss des zweiten Seminartages bildete der Besuch beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie bei der Sicherung technologischer Souveränität spielt. Dabei bot sich die Gelegenheit, Sicherheitspolitik aus einer Perspektive zu betrachten, die in öffentlichen Debatten teilweise weniger sichtbar ist: derjenigen von Unternehmen, industriellen Fähigkeiten, technologischen Abhängigkeiten und langfristigen Produktionskapazitäten.

 

Am Dienstag wurde diese wirtschaftliche Perspektive weiter vertieft. In einem mehrstündigen Workshop mit Simon Wunder beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Bedrohungs- und Risikoanalysen aus Unternehmensperspektive.

 

Dabei erhielten sie sehr präzise Einblicke darin, wie Unternehmen Risiken und Bedrohungen systematisch bewerten und welche unterschiedlichen Faktoren in solche Analysen einfließen. Politische Entwicklungen, regionale Konflikte, wirtschaftliche Abhängigkeiten und weitere Rahmenbedingungen müssen dabei miteinander in Beziehung gesetzt werden, um mögliche Auswirkungen auf das eigene Unternehmen bewerten zu können.

 

Besonders interessant war dabei der methodische Blick hinter die eigentliche Analyse. Statt lediglich einzelne Risiken zu benennen, ging es darum zu verstehen, wie Informationen strukturiert, Faktoren gewichtet und unterschiedliche Entwicklungen in eine belastbare Bewertung überführt werden können. Der Workshop machte damit anschaulich deutlich, dass sicherheitspolitische Entwicklungen längst nicht nur Staaten und Streitkräfte betreffen, sondern auch für international tätige Unternehmen unmittelbar relevant sind.

 

Am Nachmittag übernahmen ein Jugendoffiziere der Bundeswehr. Im Mittelpunkt des Workshops standen Entscheidungsfindungsprozesse innerhalb der Bundeswehr. Anhand verschiedener Modelle und Beispiele beschäftigten sich die Teilnehmenden unter anderem mit dem OODA Loop und der Frage, wie Entscheidungen unter Zeitdruck, Unsicherheit und unvollständiger Informationslage vorbereitet und getroffen werden.

 

Darüber hinaus bot der Workshop Einblicke in den OPLAN Deutschland und damit in die Frage, welche Anforderungen sich aus der veränderten sicherheitspolitischen Lage für Deutschland und die Bundeswehr ergeben. Gerade die Verbindung von theoretischen Entscheidungsmodellen mit praktischen sicherheitspolitischen Herausforderungen machte den Workshop besonders anschaulich.

 

Am Abend waren schließlich die Teilnehmenden selbst gefragt. In einem sicherheitspolitischen Positionierungsspiel mussten sie zu einer Reihe teilweise bewusst zugespitzter Thesen Stellung beziehen und ihre Positionen anschließend begründen.

 

Dabei zeigte sich schnell, wie unterschiedlich sicherheitspolitische Fragen bewertet werden können. Fragen zu Verteidigungsausgaben, gesellschaftlicher Resilienz, Bündnispolitik oder den sicherheitspolitischen Prioritäten Deutschlands führten zu einer intensiven Diskussion und ließen zum Teil deutlich unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Gerade diese Unterschiede machten den besonderen Reiz des Formats aus: Nicht die Suche nach einer vermeintlich richtigen Position stand im Mittelpunkt, sondern die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Argumenten und sicherheitspolitischen Grundannahmen.

 

Der letzte Seminartag widmete sich schließlich einem Bereich, dessen Bedeutung in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen ist: Open Source Intelligence, kurz OSINT.

 

Gemeinsam mit MItarbeitern von Venetic Intelligence und der Bernstein Group beschäftigten sich die Teilnehmenden in einem mehrstündigen Workshop damit, wie sich aus frei verfügbaren Informationen Wissen generieren, Angaben überprüfen und Zusammenhänge rekonstruieren lassen. Dabei wurde schnell deutlich, welches Potenzial öffentlich zugängliche Quellen heute bieten, wenn man weiß, wonach und vor allem wo man suchen muss.

 

Gerade diese Möglichkeiten hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Einerseits eröffnet OSINT enorme Chancen für Recherche, Analyse und die Verifikation von Informationen. Andererseits wurde ebenso deutlich, wie viele Informationen über Personen, Organisationen oder Vorgänge öffentlich zugänglich sein können und wie vergleichsweise einfach sie sich mit den richtigen Methoden miteinander verknüpfen lassen. Der Workshop vermittelte damit nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern regte zugleich zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit öffentlich verfügbaren Informationen an.

 

Nach vier intensiven Tagen endete die APSA 2026 mit einer gemeinsamen Abschlussdiskussion und ausführlichem Feedback.

 

Gerade die Mischung aus klassischen Vorträgen, interaktiven Elementen, Diskussionen und informellen Gesprächen machte dabei den besonderen Charakter der Veranstaltung aus. Sicherheitspolitik wurde nicht ausschließlich als abstrakter Gegenstand betrachtet, sondern aus sehr unterschiedlichen praktischen Perspektiven beleuchtet: aus Ministerium und Bundeswehr, aus Wirtschaft und Industrie, aus strategischer Kommunikation und Risikoanalyse sowie aus dem Bereich Open Source Intelligence.

 

Unser besonderer Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, die sich die Zeit genommen haben, ihre Expertise und Erfahrungen mit uns zu teilen, unsere zahlreichen Fragen zu beantworten und mit den Teilnehmenden zu diskutieren.

 

Ebenso danken wir allen Teilnehmenden für vier intensive Tage, zahlreiche spannende Diskussionen, sehr unterschiedliche Perspektiven und nicht zuletzt die hervorragende gemeinsame Zeit in Berlin.

 

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und auf das nächste Jahr!