Aufstand im Iran: Hintergründe und Perspektiven - Eine Kooperationsveranstaltung mit dem FFGI und Junges Forum

Auf dem Podium vertreten waren FAUST-Vorstandsmitglied Franzisca Lubba, Dr. Armin Eschraghi, Professorin Dr. Susanne Schröter und Niklas Roth von Junges Forum. Copyright © FFGI

Was ist da los im Iran – und warum? Mit einem hochspannenden Vortrag konnte Dr. Armin Eschraghi, Dozent an der Goethe-Universität Frankfurt sowie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, am 07. Dezember 2022 etwas Licht ins Dunkle bringen. Zur Veranstaltung hatte das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam (FFGI) in Kooperation mit FAUST und Junges Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft eingeladen. Organisation und Moderation übernahm Professorin Dr. Susanne Schröter. Auf dem Podium war durch unsere Vorstandsvorsitzende Franzisca Lubba auch FAUST und zugleich Junges Forum durch Niklas Roth vertreten.

 

Der Iran kommt in den letzten drei Monaten nicht zur Ruhe. Kein Tag vergeht ohne Proteste, ohne neue Bilder von Widerstand und Gewalt, die, vor allem über Social Media, auch uns in Europa erreichen. Aber was ist da eigentlich genau los?

 

Eschraghi zeichnete am Mittwochabend das Bild von einem zutiefst korrupten Land am Rande des wirtschaftlichen Ruins, einem Regime in einer Legitimationskrise und von Sicherheitsorganen, die die Proteste kaum kontrollieren können – aber auch von einer Jugend, die nichts weiter möchte als ein normales Leben in Freiheit.

 

Zunächst verdeutlichte Eschraghi das Ausmaß der Proteste im Land: Seit 80 Tagen habe es durchgängig Demonstrationen, Streiks und Aktionen des zivilen Ungehorsams gegeben. Über 450 Menschen seien dabei schon von Polizei und Militär getötet worden, die Dunkelziffer liege weit darüber. Dabei reichten Protestformen vom Herausreißen von Schulbuchseiten mit den Portraits der Revolutionsführer bis hin zur Zerstörung von Statuen des Regimes, von dem sich immer mehr prominente Iraner und Iranerinnen distanzierten.

Die letzten Jahrzehnte, in denen der Iran zumeist durch sogenannte Reformer regiert wurde, hätten weder gesellschaftliche noch wirtschaftliche Fortschritte gebracht. Vielmehr sei das Regime reformunfähig, es verunglimpfe und verhöhne Demonstrantinnen und Demonstranten und ihm hinge ein Ruf der Doppelmoral an: Drogenabhängigkeit und Prostitution würden wachsen, befeuert von einer Armutsquote von bis zu 80 Prozent und einer Inflation von 60 Prozent.

 

Doch wie soll der Westen, soll Deutschland mit dieser Situation umgehen? „Wandel durch Handel“ sei gescheitert, stellt Eschraghi fest. Das Regime in Teheran setze auf Geiseldiplomatie und sein Atomprogramm als Druckmittel. Die Protestierenden im Iran wünschten sich vor allem eines: Dass die Regierungen des Westens aufhörten, das Mullah-Regime zu stützen. Eschraghi glaubt nicht daran, dass die Demonstrationen im Iran wieder aufhören. Und sollten sie Erfolg haben, dann sei die Zukunft des Iran sekulär, demokratisch und friedlich.

 

Im Anschluss an den Vortrag gab es die Möglichkeit zur Diskussion sowie zum Gespräch bei Häppchen und Wein.