Zu Beginn des Programms wurden wir von einem aktuell eher ungewohnt positiv gezeichneten Bild der Vereinten Nationen begrüßt. Während man derzeit vor allem von den Schwierigkeiten der UN Konflikte zu beenden und davon, wie das Veto der P5 im Sicherheitsrat diesen zunehmend lähmt, hört, war es schön, auch die Erfolge der UN und den positiven impact von UN Peacekeeping Missionen von Personen vor Augen geführt zu bekommen, die selbst für die UN tätig sind bzw. waren. Aufgrund dessen wurde dafür plädiert, auch im Lichte akuter Bedrohungen, wie der durch Russland, und besonders prominenter Konflikte, wie in Gaza oder der Ukraine, Friedensmissionen nicht zu vernachlässigen. Neben dem in hiesigen Medien unterrepräsentierten Leid im Globalen Süden, bspw. dem Kongo oder Südsudan, seien die UN Friedensmissionen nicht nur ein Symbol der Hoffnung für viele Menschen in den Konfliktgebieten, sondern tragen auch zur Stabilisierung von durch Konflikte ausgelösten Fluchtbewegungen bei. Neben der nachlassenden Aufmerksamkeit stellen auch der Klimawandel und die nachlassende Finanzierung große Herausforderungen für die UN Friedensmissionen dar. So verschärft der Klimawandel nicht nur die Konflikte, bspw. durch Flucht aufgrund von Ernteausfällen, sondern erschwert auch die Arbeit vor Ort durch stärkere Regenfälle und höhere Temperaturen. Trotz all der Herausforderungen wurde deutlich, mit welcher Passion die bei der UN engagierten Menschen hinter ihrer Arbeit stehen. Es war schön zu sehen, wie die Personen mit Einsatzerfahrung auf die unvergesslichen, in weiten Teilen positiven Seiten ihrer Zeit im Ausland zurückblicken.
Neben engagiertem Personal braucht es für die Durchführung einer UN Friedensmission jedoch auch ein gutes Zusammenspiel von Akteuren aus verschiedenen Sektoren und eine gute Logistik. Die bürokratischen Schritte brauchen jedoch oftmals Zeit, weswegen hier insbesondere die Arbeit der humanitären Akteure wie dem World Food Program hervorgehoben wurde. Diese sind laut dem Leiter des Lehrgangs die „real heroes“ und weit vor Ankunft des Militärs vor Ort. Die Aufgabe militärischer Kräfte sei es lediglich, die Arbeit der humanitären Akteure vor Ort zu unterstützen und diese bestmöglich zu schützen. Von der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure hat auch der ehemalige Botschafter und SRSG in den UN-Friedensmissionen MONUSCO und UNSMIL, Martin Kobler, berichtet. Sein zweitägiger Vortrag war ein Highlight des Lehrgangs, in dem er nicht nur von seinen unzähligen Erfahrungen berichtete und uns so die Inhalte anhand praktischer Beispiele vermittelte. Sondern uns auch, anhand des vielseitig diskutierten Besuchs von Präsident Selenskyj im Weißen Haus, Prinzipien der Mediation näher brachte, wie etwa Lösungsansätze für eine Deeskalation in heiklen Verhandlungen oder Möglichkeiten um Gesprächsblockaden aufzulösen.
Dieses vielschichtige Bild der UN und insbesondere ihrer Friedensmissionen wurde uns auch in den weiteren Vorträgen des intensiven und umfangreichen Programms der ersten zwei Wochen näher gebracht. Es gab zunächst eine Einführung in das UN-System und den Aufbau von Friedensmissionen. Anschließend wurde genauer auf die einzelnen Bereiche und die Komponenten des Headquarters eingegangen. Hierbei wurde nicht nur der militärischen Blickwinkel vermittelt, sondern uns durch eine Vielzahl erfahrener militärischer wie ziviler Gastdozent:innen auch die diplomatische, humanitäre, juristische und medizinische Perspektive näher gebracht. Weiterhin ging es um Friedensbildung, die Rolle von Gender, Code of Conduct und für uns Zivilist:innen spannende Einblicke in die militärische Arbeit. Darunter der militärische Entscheidungsprozess, Logistik, die Herausforderung durch Minen und IEDs sowie die Rolle des Nachrichtenwesens. Ergänzt wurde das Programm durch viele praktische Tipps basierend auf persönlichen Erfahrungen. Da eine gute Psychohygiene zu einem wichtigen Pfeiler in Friedensmissionen gehört, wurden wir zudem über mental health und eine gesunde Schlafhygiene aufgeklärt. Die bis dahin sich primär auf die zivile und militärische Sicht fokussierenden Vorträge wurden ab der zweiten Woche durch spannende Einblicke in die polizeiliche Arbeit innerhalb der Friedensmissionen abgerundet. Zudem gab es die Möglichkeit, sich mit den Vortragenden auszutauschen und dadurch persönliche Eindrücke zu gewinnen und sowohl Hürden als auch Chancen der Friedensmissionen zu vertiefen. Aufgelockert wurden die intensiven Wochen weiterhin von gemeinsamen Drinks und einer Stadttour durch Hamburg.
In der dritten und letzten Woche, welche aufgrund des Tages der Deutschen Einheit einen Tag kürzer war, haben wir primär in einem Planspiel das erlernte Wissen, insbesondere über den military decision making process, praktisch angewendet. Dabei konnten wir nicht nur Erlerntes festigen sondern als Zivilist:innen weitere wertvolle Einblicke in die militärische (Stabs-)Arbeit gewinnen. Nach den drei Wochen waren wir alle vom Input etwas geschafft, aber auch traurig, dass der wirklich spannende Kurs in netter Atmosphäre sich dem Ende neigte. Beim Course Dinner am vorletzten Abend haben wir in einem feierlichen Rahmen unsere Zertifikate überreicht bekommen und uns offiziell von unseren beiden Ausbildern verabschiedet. Denn abschließend machte den Kurs auch besonders, dass der 79. UNSOC der letzte Lehrgang der beiden Ausbilder (Oberstleutnant Karl Rüdiger Tillmann und Oberst Gunther Wiedekind) war, die diesen UNSOC viele Jahre mit Herz und Seele durchführten.