Die Diversität der Vereinten Nationen spiegelte sich auch in den insgesamt 22 Teilnehmer:innen des Kurses wider: sieben deutsche Zivilist:innen, drei deutsche Offiziere, zwei deutsche Polizisten und neun internationalen Offiziere aus Amerika, Asien und Europa; einige Teilnehmer:innen brachten zudem bereits Vorerfahrung aus Friedenseinsätzen für die UN und die EU mit.
In den ersten zwei Wochen erwartete uns zunächst ein straffes inhaltliches Programm mit Vorträgen, Workshops und Gruppenarbeiten zu den theoretischen Grundlagen des UN-Systems, der Planung und Durchführung von Friedensmissionen sowie ein Crashkurs im Völkerrecht. Auch auf Themen wie die Kooperation im Bereich humanitäre Hilfe, die Rolle der Polizei in Einsätzen und Intelligence Arbeit wurde eingegangen. Diverse Gastdozierende, darunter viele mit langjähriger UN-Arbeitserfahrung, aus Wissenschaft und Praxis, zeichneten ein vielschichtiges und realistisches Bild der Vereinten Nationen. Dies wurde noch um die Erfahrungen der Teilnehmenden ergänzt, die bereits in Missionen tätig waren.
Besonders herausragend war der Vortrag von Martin Kobler, früher Leiter der UN-Missionen MONUSCO und UNSMIL, zu den „Principles of Mediation“. Anhand der Verhandlungen zum Rohstoffabkommen zwischen der Ukraine und den USA veranschaulichte er eindrücklich, welche Fallstricke internationale Verhandlungen zum Scheitern bringen können. Gestützt auf seine eigene Erfahrung in Kongo und Libyen vermittelte er verschiedene Lösungsansätze, um Gesprächsblockaden aufzulösen und Konflikte erfolgreich zu schlichten. Ein weiteres Highlight war der zur kritischen Reflektion anregende Vortrag von Arnaud Böhmann über Chinas Rolle in UN-Friedensmissionen sowie deren Verarbeitung in der chinesischen Popkultur und staatlichen Kommunikation.
Ein Thema, das im Kurs auch intensiv behandelt wurde, ist Verhalten in den Missionen. Da es in der Vergangenheit immer wieder negative Schlagzeilen gab, hatten wir als zivile Teilnehmende einen etwas kritischen Blick auf die Missionen. Man muss daher positiv hervorheben, dass es mehrere Sessions u.a. zum Code of Conduct, protection of civilians und sexual misconduct gab. Hier wurde auf Kritikpunkte an Friedensmissionen eingegangen und auch insgesamt wurde immer wieder die Rolle der Missionen kritisch hinterfragt und auch auf die Möglichkeiten der Einflussnahme einzelner Nationen hingewiesen. In den Diskussionen zeigte sich zwar, dass es noch immer schwierig ist, die überkommenen Strukturen im Militär und der Polizei aufzubrechen, aber es ist positiv zu sehen, dass solche Themen aktiv aufgegriffen und diskutiert werden. Da diese Missionen emotional und psychisch auch anstrengend sind, ging der Kurs zudem auch auf das Thema mentale Gesundheit ein. Es war insgesamt sehr spannend, als Zivilist einen Einblick in den Alltag in solchen Missionen zu bekommen, da im akademischen Bereich ja oft nur die Makroperspektive angesprochen wird.
In der dritten und letzten Woche bekamen wir dann im Rahmen eines Planspiels die Gelegenheit, das Gelernte in die Tat umzusetzen. Als Teil zweier Planungsgruppen einer UN-Friedensmission im fiktiven Staat „Carana“ erarbeiteten wir regelmäßige Briefings über die sich laufend verändernde Lage und entwickelten militärische Handlungsoptionen für eine Krisensituation. Hier hatten wir als Zivilisten die Möglichkeit, Einblicke in die Militärstrategie, die logistischen Hintergründe und operativen Schwierigkeiten einer solchen Friedensmission zu erhalten. Zudem zeigten sich bereits hier im Kleinen die Herausforderungen, die mit zivil-militärischer Zusammenarbeit einhergehen können. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich Entscheidungsfindungsprozesse sind, und auch wie Hierarchien diesen Prozess beeinflussen.
Neben der spannenden inhaltlichen Arbeit wurde auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten. Zu Fuß und mit Bus und Boot erkundeten wir Hamburg, konnten kurz darauf den Hamburger Hafengeburtstag mitfeiern, und hatten viele Gelegenheiten zum Kennenlernen und für spannende Gespräche bei den gemeinsamen Mahlzeiten in der Kantine der Kaserne. Abgerundet wurde das Programm vom Course Dinner mit der feierlichen Übergabe der Kursurkunden. Insgesamt war die Atmosphäre im Kurs immer sehr angenehm und man konnte jederzeit jeder Person Fragen stellen oder sich offen über diverse Themen austauschen. Die Kursleiter Oberst Wiedekind und Oberstleutnant Tillmann waren unglaublich freundlich und hatten stets ein offenes Ohr für Anliegen jeder Art. Wir möchten uns herzlich für die Möglichkeit, an diesem spannenden Kurs teilnehmen zu können, bedanken und können ihn restlos weiterempfehlen.