Besuch im Gefahrenabwehrzentrum in Offenbach

Am 10. Februar 2026 besuchte die Fachgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik das Gefahrenabwehrzentrum im Landkreis Offenbach. Die Exkursion umfasste die Besichtigung der geschützten Einsatzzentrale für Katastrophen- und Krisenfälle. Begleitet wurde die Exkursion von zwei Führungspersonen aus dem Bereich Bevölkerungsschutz und Einsatzplanung Allgemeine Gefahrenabwehr.

Als organisatorischer Kern wurde das Gefahrenabwehrzentrum bzw. die kreisliche Gefahrenabwehrstruktur beschrieben. Es bündelt Prävention, operative Gefahrenabwehr und den Erhalt der Führungsfähigkeit. Besonders klar wurde die Trennung zwischen vorbeugendem Brandschutz und Einsatzgeschehen: Sicherheit entsteht nicht erst „mit Blaulicht“, sondern durch Standards und Kontrollen, die Risiken im Vorfeld reduzieren. Neben dem Brandschutz spielt die allgemeine Gefahrenabwehr eine große Rolle: Einsatzplanung, Katastrophenschutzvorbereitung, Koordination von Ressourcen (Feuerwehr, Hilfsorganisationen, THW). Entscheidend ist die Skalierung: Was lokal beherrschbar ist, kann als Flächenlage schnell zum Führungs- und Logistikproblem werden. Betrifft eine Einsatzlage mehrere Kommunen, werden Strukturen aktiviert, um die Koordination zwischen den Einsatzkräften zu gewährleisten.


Die Einsatzzentrale wurde als Führungsorgan für größere Lagen, oft auch unterhalb eines formalen Katastrophenfalls erklärt. Seine Aufgaben sind Monitoring des Lagebilds, Entscheidungsvorbereitung, Ressourcensteuerung und Kommunikationskoordination. Stabsarbeit erfolgt arbeitsteilig über Sachgebiete (z. B. Lage, Einsatz, Logistik, Presse/Information, Kommunikation), um Entscheidungen so fundiert wie möglich zu treffen. Kommunikationsfähigkeit ist in Krisen- und Katastrophenfällen der entscheidender Faktor, der die Handlungsfähigkeit gewährleistet. Ein Schwerpunkt lag auf Warnung und Information. Der Vortrag machte klar: Warnmittel sind nur der Startpunkt, entscheidend ist die anschließende Handlungslogik. Sirenen erzeugen Aufmerksamkeit, erklären aber nicht automatisch, was Bürger konkret tun sollen. Deshalb wurde ein Warnmittel-Mix betont: digitalisierte Sirenen, Warn- Apps, lokale Tests und Rückmeldeschleifen. Für den Blackout- bzw. Kommunikationsausfall wurden Leuchtturmkonzepte als praktische Bevölkerungsschutzmaßnahme beschrieben: lokale Anlaufstellen, an denen Menschen Informationen erhalten und Erste Hilfe, Trinkwasser, Lademöglichkeit und Wärme angeboten werden können. Ein weiterer Punkt war der Umgang mit Schutzräumen: Die Erwartung, man könne einfach Schutzräume reaktivieren, wurde als unrealistisch relativiert. Stattdessen wurde ein pragmatischer Ansatz diskutiert, z. B. geeignete Kellerräume (etwa in Schulen) für Splitterschutz vorzubereiten. Sehr konkret wurde Notversorgung behandelt. Bevölkerungsschutz hängt stark von kritischen Ressourcen ab. Dazu zählen Betriebsstoffe für Einsatzfahrzeuge und Stromaggregate, Wasser, Medikamente und Lebensmittel. Dazu kommt ein strukturelles Dilemma: Lokale wichtige Infrastruktur (z. B. Krankenhaus, Wasserwerk, Energiewerke) gelten nicht direkt als kritische Infrastruktur, da Schwellenwerte nicht immer erreicht werden, wodurch Durchgriffsmöglichkeiten begrenzt sein können. Abschließend wurden aktuelle Bausteine der zivilen Verteidigung konkret: Warnmittel-Mix, Leuchtturmkonzepte als Anlaufstellen bei Blackout sowie Versorgungsfragen wie Betriebsstoff- und Wassersicherstellung. Insgesamt zeigte die Exkursion: Resilienz entsteht vor allem durch robuste Prozesse, geübte Routinen, Bereithalten von kritischen Ressourcen, sowie die Planung der Verteilung jener Güter.

 

Die Fachgruppe für außen- und sicherheitspolitische Themen, bedankt sich bei den Referenten für den exklusiven Einblick in das Gefahrenabwehrzentrum, den Vortrag zur Gefahrenabwehr bzw Zivilschutz und der Möglichkeit einer angeregten Diskussion.