Wenngleich die Veranstaltung in diesem Jahr nicht wie zuvor in Den Helder, sondern in Rotterdam stattfand, gab es auch hier einiges zu lernen. Denn direkt nach der Ankunft ging es bereits los zum Besuch der Rotterdamer Rathaus. Auf dem Weg dorthin erzählte Organisator und Durchführender, Stefan Mastenbroek, einiges über seine Heimatstadt Rotterdam. Beispielsweise, dass sie als eine der ersten Städten von den Deutschen zerbombt wurde. Noch heute zeigen kleine Lampen am Boden die Grenze zwischen innerem Ring der Zerstörung und dem, was außerhalb erhalten blieb. Im Rathaus angekommen, ging es direkt über zu tagesaktueller Sicherheitspolitik und dabei konkret um die Stadt Rotterdam: Welche Herausforderungen gibt es, wie werden diese angegangen? Neben Themen wie Energie, Infrastruktur und Innovationen geht es in Rotterdam vor allem um den Hafen. Schließlich ist er der größte in ganz Europa!
Nach dem Input hier ging es weiter in das Ausbildungszentrum der Marines, diese sind niederländische Spezialkräfte, zu denen auch Stefan gehörte. Zuletzt war er Kommandeur des Ausbildungszentrums, entsprechend spannend waren seine Einblicke. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit einer Dinner Speech von Der Boswijk, niederländischer Abgeordneter und unter anderem im Verteidigungsausschuss, konnten wir die Eindrücke gemeinsam besprechen und den Abend ausklingen lassen.
Am nächsten Tag begann die eigentliche Konferenz: Neben den internationalen Teilen kamen nun noch einige Niederländer:innen dazu. Teils aus Ministerien, Jugendorganisationen, Zivilgesellschaft oder dem Militär. In dieser bunten Mischung starteten wir in verschiedene Break-out Sessions. Zur Wahl standen ökonomische Sicherheit, die Zukunft der Kriegsführung oder zivile Resilienz. Insbesondere in letzterer kam es zu einem spannenden Austausch: Neben Inputs aus den Niederlanden und Litauen kamen in der Diskussionen Wortmeldungen aus Spanien, Italien, Polen und Deutschland und es zeigt sich: Die Perzeption von Gefahr und damit auch der gesellschaftliche Umgang ist doch sehr verschieden. Unsere Nachbar:innen im Osten rechnen sehr wohl jederzeit mit einer russischen Invasion. Entsprechend sieht sich auch die gesamte Zivilbevölkerung in der Verantwortung sich darauf vorzubereiten – es gibt viele Fortbildungen und Seminare über diverse Themen. Von Erste-Hilfe bis hin zum richtigen Verhalten bei Raketenbeschuss, Überleben ohne Strom oder das Fliegen von Drohnen. Auf der anderen Seite zeigt sich in den Niederlanden beispielsweise eine ähnliche Diskussion zur Wehrpflicht wie bei uns. Hinzu kommt dort: Ende Oktober wird erneut gewählt, nachdem die neue Regierung unter dem Rechtspopulisten und verurteiltem Rassisten Geert Wilders erst zerbrochen ist. Nach einer Panel- und offenen Diskussion konnten wir auch den zweiten Abend in Rotterdam ausklingen lassen, bevor es am Sonntagmorgen nach einem fakultativen Besuch des Marinesmuseum wieder auf den Heimweg ging.
Unter’m Strich können wir viele spannende Gespräche und neue Kontakte festhalten. Vor allem bleibt aber ein Eindruck: Um uns der Aggression Russlands zu erwehren, müssen wir nicht nur als deutsche, sondern europaweit zusammenstehen und unsere Demokratie verteidigen – keine Aufgabe, die nur das Land oder einzelne Staaten erfüllen können!


