Deutschland und Taiwan

Der Konflikt um Taiwan bestimmt die Geopolitik in Ostasien. Während in Peking laut darüber nachgedacht wird, wie man eine Wiedervereinigung forcieren kann, zeigt sich Taiwan stolz auf seine eigenständige Kultur und Demokratie. Dieses Spannungsfeld ist besonders im Anblick aufkommender Großmachtkonkurrenz und steigender globaler Unsicherheit eine der großen Fragen unserer Zeit. 

In Regensburg durften wir den Generaldirektor der Taipeh Vertretung in München, Dr. Ian-Tsing Joseph Dieu begrüßen. Themenpunkte des Gespräches waren die taiwanesische Demokratisierung, die aktuelle Bedrohungslage und die Beziehungen zu Deutschland. 

Mit Dr. Dieu schritten wir die Historie des politischen Systems Taiwans ab, von der Übersetzung Chiang Kai-Sheks und der vorherrschenden kulturellen Diversität über die Militärdiktatur bis hin zur Studentenbewegung und dem Einzug der Demokratie in Taiwan. Die aktuelle Bedrohung wird in Taiwan wahrgenommen, jedoch wird nicht primär die militärische Qualität der Angriffe gesehen, sondern die zivile. Von Hackingangriffen über konstante Sticheleien und Drohungen an Politik und Wirtschaft zieht sich die Einschüchterung. Jedoch bestärkt dies die Zivilbevölkerung auch, indem es ihr aufzeigt, mit welchen Mitteln China versucht, ihre Lebensrealität streitig zu machen. Die Beziehungen zu Deutschland sind zwar primär wirtschaftlich und akademisch, jedoch gibt es auch politische Verbindungen. Deutschland ist hoch geachtet in Taiwan, das Rechtssystem ist angelegt, es gibt regen Austausch mit deutschen Universitäten, besonders in den Bereichen Jura und Biologie.