Deutsches Forum Sicherheitspolitik #DFS2026: Generation in Turmoil - Youth Movements and Political Conflict

In guter Tradition veranstaltete die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) auch in diesem Jahr erneut das Deutsche Forum Sicherheitspolitik 2026 (#DFS26). Bereits zum zweiten Mal konnte der BSH in diesem Rahmen eine eigene Diskussion organisieren.

 

 

Unter dem Titel „Generation in Turmoil: Youth Movements and Political Conflict“ brachten wir am 07.05. drei Panelistinnen aus Belarus, der Ukraine und Georgien zusammen, um über die Rolle von Jugend- und Studentenbewegungen in internationalen Konflikten und autoritären Systemen zu diskutieren.

 

 

Moderiert von unserem Bundesvorsitzenden Josef Hebeda diskutierten Yuliia Dziuba, Präsidentin des European Democracy Youth Network, Alina Kharysava, internationale Sekretärin der Belarusian Students’ Association sowie Strategie- und Analyseexpertin im Büro von Sviatlana Tsikhanouskaya, und Liza Basilaia, georgische Aktivistin und Content Creatorin.

 

 

Die Diskussion begann mit einem historischen Rückblick auf Protestbewegungen – vom Ende der Sowjetunion über den Euromaidan und die Massenproteste in Belarus bis hin zu den jüngsten Protesten der vergangenen Jahre in Georgien.

 

 

Auf die Frage, ob es eine demografische Schere zwischen jungen und älteren Wählergruppen gebe, erklärte Liza Basilaia, dass junge Georgierinnen und Georgier überwiegend proeuropäisch eingestellt seien. Durch Austauschprogramme wie Erasmus+ bestehe insbesondere unter jungen Menschen ein sehr positives Bild der Europäischen Union.

 

 

Alina Kharysava führte aus, dass in Belarus während der Corona-Pandemie auch bei älteren Bevölkerungsschichten eine Wechselstimmung eingesetzt habe, ausgelöst durch die Untätigkeit der Regierung im Umgang mit der Pandemie. Dennoch seien es vor allem junge Menschen, die Belarus näher an der Europäischen Union sehen wollten.

 

 

Im weiteren Verlauf fokussierte sich die Diskussion auf soziale Medien sowie auf Wege der Mobilisierung und Gegenmobilisierung. Yuliia Dziuba gab hierbei Einblicke in die ukrainische Perspektive. Trolle und KI-gesteuerte Desinformationskampagnen seien inzwischen allgegenwärtig; im Vergleich zu 2014 habe sich die Lage nochmals deutlich verschärft. Während diese Kampagnen in der Ukraine äußerst modern und effektiv seien, erklärte Liza Basilaia, dass die von Russland in Georgien angewandten Methoden oftmals vergleichsweise einfach und leicht durchschaubar wirkten. Dort sei die Propagandamaschinerie nicht in demselben Maße ausgebaut wie in der Ukraine oder Belarus.

 

 

Ergänzend verwies Alina Kharysava auf größere Gruppen postsowjetischer Aussiedlerinnen und Aussiedler in Deutschland, die besonders empfänglich für solche Propaganda seien und daher gezielt angesprochen würden.

 

 

Bereits heute unterstütze die Europäische Union die Ukraine auf unterschiedlichen Wegen. Yuliia Dziuba hob dabei neben der Unterstützung beim Wiederaufbau der Infrastruktur insbesondere die Förderung internationaler Vernetzung zwischen Jugend- und Studentengruppen hervor. Alina Kharysava ergänzte, dass der Aufbau von Strukturen zur Bekämpfung gezielter Desinformation ebenfalls notwendig sei. Liza Basilaia betonte darüber hinaus die Bedeutung weiterer Austauschprogramme – insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen Universitätsreform in Georgien, deren Ziel es sei, die Zahl der Fakultäten deutlich zu reduzieren und den Zugang junger Menschen zur Hochschulbildung einzuschränken.

 

 

Abschließend folgte eine von Frederik Klär moderierte Fragerunde. Sie bildete den Schlusspunkt der Veranstaltung und bot dem Publikum die Möglichkeit, Fragen an die Panelistinnen zu richten. Diskutiert wurden unter anderem die Ursachen für das Erstarken prorussischer Parteien – insbesondere unter älteren Wählergruppen im postsowjetischen Raum – sowie die Rolle von Gewalt im Kontext staatlicher Repression gegenüber Protestbewegungen und oppositionellen Akteuren. Die Diskussion verdeutlichte erneut die Komplexität gesellschaftlicher und politischer Transformationsprozesse im postsowjetischen Raum.

 

 

Die Veranstaltung machte insgesamt deutlich, welche bedeutende Rolle junge Menschen für demokratische Bewegungen und gesellschaftlichen Wandel in Europa spielen – insbesondere in Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen und autoritärer Einflussnahme.