Menschenrechtsaktivist und Überlebender des IS-Völkermords an den Jesiden Thikran Mato zu Gast bei der HSG Regensburg

Am 15. Januar 2026 durfte die Regensburger Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik (BSH) Thikran Mato, Menschenrechtsaktivisten und Überlebenden des IS-Völkermords an den Jesiden, in Regensburg begrüßen. In einer eindrucksvollen Veranstaltung berichtete er über seine persönlichen Erfahrungen, die Situation der jesidischen Gemeinschaft und die Bedeutung von Erinnerung, internationaler Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit.

Thikran Mato stammt aus Kocho, einem Dorf nahe des Sinjar-Gebirges im Nordirak, das 2014 Ziel des Völkermords durch den sogenannten „Islamischen Staat“ wurde. Er wurde gewaltsam von seiner Familie getrennt und zwei Jahre lang vom IS gefangen gehalten. Heute engagiert er sich international für die Belange der jesidischen Gemeinschaft und setzt sich als Leiter des Projekts „Nobody’s Listening“ für Aufklärung, Anerkennung des Genozids und die Rechte der Überlebenden ein.

Die VR-Experience „Nobody’s Listening“

Ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung war die Virtual-Reality-Experience „Nobody’s Listening“, eine immersive Ausstellung, die an den jesidischen Völkermord im Sommer 2014 erinnert. Die VR-Experience ermöglicht es den Teilnehmenden, eine von drei Perspektiven zu erleben: die Sicht einer jesidischen Frau, die eines männlichen Opfers oder die eines IS-Täters. Alle drei Perspektiven basieren auf realen, dokumentierten Geschichten.

Die Ausstellung zeigt nicht nur die Gewalt und Zerstörung, sondern auch die langfristigen Folgen des Genozids für die betroffenen Gemeinschaften. Sie macht deutlich, dass der Völkermord keineswegs abgeschlossen ist: Tausende jesidische Frauen und Kinder gelten weiterhin als vermisst, und bislang wurde kein IS-Kämpfer für das Verbrechen des Völkermords juristisch verurteilt. Neben der VR-Technologie nutzt „Nobody’s Listening“ auch Fotografie und Kunstwerke jesidischer Künstlerinnen und Künstler, um Raum für Zeugenschaft, Würde und Sichtbarkeit zu schaffen.

Diskussion und persönlicher Austausch

Im Anschluss an die VR-Experience sprach Thikran Mato über die Lage der jesidischen Community heute, die Herausforderungen nach dem Genozid und die Rolle von Erinnerungskultur und internationaler Öffentlichkeit. Besonders eindrücklich war sein persönlicher Weg vom Überlebenden zum Menschenrechtsaktivisten und seine Motivation, die Stimmen der Betroffenen weltweit hörbar zu machen.

In der anschließenden Q&A-Runde hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit Thikran Mato direkt ins Gespräch zu kommen. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Bildungsarbeit, internationale Solidarität und langfristiges politisches Engagement für die Aufarbeitung des Genozids sind.

 

Ein besonderer Dank gilt Schad Lina Kadir für die Organisation. Zudem möchten wir uns herzlich beim Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen (BSH) bedanken, dessen Unterstützung diese Veranstaltung möglich gemacht hat.

Die HSG Regensburg bedankt sich außerdem bei allen Teilnehmenden für ihr Interesse und ihre Offenheit. Die Veranstaltung hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, zuzuhören, hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen.