Fact-Checking ZDF mit Nils Metzger

Am 20. Januar 2026 empfing die Fachgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik Nils Metzger, Experte für Desinformation und Extremismus beim ZDF, zu einem Vortrag mit dem Titel „Factchecking beim ZDF“. In seinem Vortrag gab Herr Metzger einen Einblick in die Arbeitsweise des ZDF-Faktencheck-Teams und zeigte auf, wie öffentlich-rechtlicher Journalismus auf die wachsenden Herausforderungen durch virale Falschinformationen, KI-generierte Inhalte und politische Polarisierung reagiert.

 

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Der ZDF-Redakteur beschreibt Faktenchecks als gesetzlich verankerten Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der jedoch unter engen formalen und zeitlichen Grenzen steht. Die Arbeit konzentriert sich auf drei Bereiche: virale Desinformation, Breaking-News-Lagen und politische Großereignisse wie Wahlen und TV-Debatten. Entscheidend ist immer eine Relevanzabwägung, weil ein Faktencheck falsche Inhalte auch weiterverbreiten kann, wenn man sie unbedacht aufgreift.

Im Alltag bedeutet Faktencheck vor allem: Themen sichten, in Redaktionskonferenzen durchsetzen, unter Zeitdruck recherchieren, interne Fachredaktionen und externe Expert:innen einbinden und bei Bedarf die Urheber von Aussagen konfrontieren. Jeder Text durchläuft eine strenge Qualitätskontrolle, weil Fehler im „Faktencheck“ die Glaubwürdigkeit besonders stark beschädigen würden.

KI verschärft laut ihm die Lage: Sie produziert massenhaft neue Fakes, während Tools zur Erkennung unzuverlässig bleiben. KI kann zwar intern helfen, Material zu sichten, ersetzt aber keine journalistische Bewertung. Gleichzeitig ist der Begriff „Faktencheck“ politisch aufgeladen, sodass ein Teil der Bevölkerung ihn reflexhaft ablehnt. Die Strategie des ZDF zielt deshalb weniger darauf, diese Gruppen direkt zu überzeugen, sondern ihr Umfeld mit überprüften Informationen auszustatten.

Zunehmender politischer und digitaler Druck auf Faktenchecker, der Rückzug vieler Plattformen aus der aktiven Desinformationsbekämpfung und rechtliche Hürden verschärfen das Problem. Die größte Gefahr sieht der Redakteur nicht nur in einzelnen Falschmeldungen, sondern im wachsenden Misstrauen gegenüber allen Informationsquellen, das Menschen aus dem demokratischen Diskurs drängt. Faktenchecks können das nicht lösen, aber sie sind eines der wenigen Werkzeuge, um einer gemeinsamen Realität wenigstens teilweise Halt zu geben.

In der abschließenden Fragerunde ging es im Kern darum, wie neutral und wirksam Faktenchecks in einer politisch polarisierten Öffentlichkeit überhaupt sein können. Außerdem wurde gefragt, ob Plattformregulierung, KI oder neue Formate wie Live-Faktenchecks, Prebunking und Dossiers helfen können, Desinformation strukturell einzudämmen. Schließlich interessierte viele Teilnehmende, wie stark Faktenchecker selbst angegriffen werden, wie man ihren Erfolg misst und ob Faktenchecks gegen strategischen „Bullshit“ überhaupt noch durchdringen.