So konnte er nach der Vorstellung seines papers „To counter the rationality of sexual violence: existing and potential policies against the genocidal use of rape as a weapon of war in the Democratic Republic of Congo” den Teilnehmer:innen auch Fragen zu seiner Arbeit für das europäische Parlament beantworten und Tipps für das Schreiben eines Policy Papers geben. Zu Beginn des Vortrags berichtete er davon, dass er sich vor dem Schreiben seines ersten Papers gefragt hatte, wieso sexualisierte Gewalt in der DRK eine so viel angewandte Kriegswaffe sei. Um diese Frage zu beantworten, ordnete er für uns den Konflikt zuerst historisch ein und erklärte dann, wie Gender-Based Violence gezielt als Kriegswaffe der ethnischen „Säuberung“ und des Genozids eingesetzt wird. Er erläuterte, dass in der DRK traditionell davon ausgegangen wird, dass ausschließlich die Gene des Vaters an das Kind weitergegeben werden. So sind die durch Vergewaltigung entstandenen Kinder einer anderen ethnischen Gruppe angehörig als die Mutter. Ausgehend von dieser Überzeugung wird versucht die Ethnizität der angegriffenen Gemeinschaften nachhaltig auszulöschen, da die Nachkommen nicht der Gruppe angehörig sind. Auch wird durch die Verbreitung von Krankheiten wie HIV und dem Wissen über schwer zu erhaltene Gesundheitsversorgung, die zu unbehandelten Genitalverletzungen der Frauen führen, darauf abgezielt, die Reproduzierbarkeit der Gemeinschaften einzuschränken, was ebenfalls genozidale Langzeitfolgen hat. Weiter erläuterte van Wieringen, dass durch Gender-Based Violence auch die sozialen Strukturen in der DRK zerstört werden. Dies ist der Fall, weil Frauen als Folge der sexualisierten Gewalt von ihren Ehemännern und aus den Gemeinschaften verstoßen werden. Da Frauen in der DRK allerdings maßgeblich für die Versorgung der Gesellschaft verantwortlich sind, wird das Versorgungssystem als Ganzes destabilisiert, worunter die gesamte Gesellschaft leidet und existenziell bedroht wird. Van Wieringen bezeichnete dies als eine langsame, schrittweise Auslöschung der Bevölkerung im Osten der DRK. Eine mögliche Art um Gender-Based Violence als Kriegswaffe zu reduzieren und auf lange Sicht zu beenden, sieht Herr van Wieringen darin, die Motivationen für Gender-Based violence zu minimieren. Hierfür führte er an, dass mit Hilfe von Aufklärung die gesellschaftliche Stigmatisierung der Frauen nach einem Angriff verhindert werden sollte und medizinische Versorgung für alle Menschen in der DRK zugänglicher werden muss. Als Idee für medizinische Versorgung in abgelegenen Regionen ist eine Medikamentenverteilung mit Hilfe von Drohnen.
Die Projektgruppe Demokratische Republik Kongo der Hochschulgruppe Internationale Sicherheitspolitik Erfurt bedankt sich sehr herzlich bei Herr van Wieringen für den Vortrag. Durch den Vortrag konnten wir viele aufschlussreiche Informationen zu den Hintergründen und Auswirkungen des in der Öffentlichkeit wenig behandelten Konflikts erhalten. Über 50 Teilnehmende waren bei der Veranstaltung anwesend, danke fürs zahlreiche Erscheinen! Im Anschluss des Gastvortrages fand mit einem Kamingespräch und spannenden fortsetzenden Gesprächen zum Thema ein Abklang statt.




