Am 09.06.2026 besuchte die Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik Trier das Zentrum für Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz sowie im Anschluss die sogenannte „Wiege der Bundeswehr“ in der Krahnenberg-Kaserne in Andernach.
Bereits am Morgen wurden die Teilnehmenden mit einem Bus des Karrierecenters der Bundeswehr Trier an der Universität Trier abgeholt und nach Koblenz gefahren. Dort wurden wir im Zentrum für Innere Führung von Frau Oberstleutnant, der Dezernatsleiterin der Pressearbeit, empfangen und erhielten zunächst eine Einführung in die Aufgaben und die Bedeutung des Zentrums.
Im Mittelpunkt des ersten Programmpunkts stand ein Vortrag von Herrn Oberst i.G. zur Inneren Führung. Das Zentrum für Innere Führung wurde 1956 als „Schule der Bundeswehr für Innere Führung“ gegründet und ist bis heute eng mit dem Selbstverständnis der Bundeswehr als Parlamentsarmee in einem demokratischen Rechtsstaat verbunden. Der Vortrag stellte anschaulich dar, dass Innere Führung nicht nur ein historisches Konzept, sondern eine fortdauernde Führungs- und Organisationsphilosophie der Bundeswehr ist.
Dabei wurde deutlich, dass Innere Führung weit mehr bedeutet als politische Bildung oder formale Rechtsbindung. Sie beschreibt den Anspruch, soldatisches Handeln, militärische Einsatzbereitschaft und persönliche Verantwortung mit den Werten des Grundgesetzes zu verbinden. Das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform, die Bindung an Recht und Gewissen sowie die Verantwortung von Vorgesetzten gegenüber ihren Soldatinnen und Soldaten standen dabei im Zentrum des Vortrags.
Besonders interessant war auch die Einordnung der Inneren Führung in die gegenwärtige sicherheitspolitische Lage. Themen wie Kriegstüchtigkeit, Einsatzbereitschaft, Führung unter Belastung und die Verteidigung von Recht und Freiheit wurden nicht abstrakt, sondern im Zusammenhang mit dem Selbstverständnis der Bundeswehr erläutert. Gerade für Studierende, die sich mit Sicherheits- und Verteidigungspolitik beschäftigen, bot der Vortrag damit eine besonders wertvolle Perspektive auf ein Thema, das im universitären Kontext häufig nur am Rande behandelt wird.
Im Anschluss stellte ein ziviler Jurist der Bundeswehr das Themenfeld der Rechtspflege vor. Dabei erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die vielfältigen juristischen Tätigkeitsbereiche innerhalb der Bundeswehr. Zur Sprache kamen unter anderem die Beratung militärischer Entscheidungsträger, die Rechtsausbildung, Fragen der Disziplinargerichtsbarkeit sowie die rechtliche Begleitung militärischer Operationen.
Besonders eindrucksvoll war die Darstellung, dass juristische Beratung im militärischen Kontext häufig unter erheblichem Zeitdruck und mit unmittelbarer praktischer Relevanz erfolgt. Fragen des humanitären Völkerrechts, des Umgangs mit Kriegsgefangenen oder der rechtlichen Bewertung konkreter Einsatzlagen zeigen, wie anspruchsvoll und vielseitig juristische Arbeit in der Bundeswehr sein kann. Für die vielen Teilnehmenden mit juristischem Hintergrund war dieser Programmpunkt daher besonders aufschlussreich.
Nach den Vorträgen wurden wir zum gemeinsamen Mittagessen in die Truppenküche eingeladen. Auch dieser Programmpunkt wurde von den Teilnehmenden sehr positiv aufgenommen. Neben einer willkommenen Pause bot das Mittagessen die Gelegenheit, mit Frau Oberstleutnant, Herrn Oberst i.G. und dem zivilen Juristen weiter ins Gespräch zu kommen, offene Fragen zu stellen und persönlich Kontakt in die Bundeswehr zu gewinnen.
Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Andernach in die Krahnenberg-Kaserne. Dort besuchten wir die Militärgeschichtliche Sammlung „Wiege der Bundeswehr“. Die Sammlung befindet sich in einer historischen Baracke und widmet sich der Entstehung der neuen deutschen Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg sowie der sicherheitspolitischen Entwicklung der jungen Bundesrepublik.
Die Krahnenberg-Kaserne gilt als „Wiege der Bundeswehr“, weil Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer dort am 20. Januar 1956 die ersten Soldaten der neu aufgestellten Bundeswehr besuchte. Dieser Ort steht damit symbolisch für einen der zentralen Gründungsmomente der Bundeswehr und zugleich für die schwierige Frage, wie Deutschland nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder Streitkräfte aufbauen konnte.
Durch die Sammlung führten uns Oberstleutnant a.D. Schmidt und seine Ehefrau. Die Führung wurde von vielen Teilnehmenden als besonderer Höhepunkt der Exkursion wahrgenommen. Mit großer Sachkenntnis, persönlichem Engagement und zahlreichen historischen Bezügen machten sie die politischen, gesellschaftlichen und militärischen Herausforderungen der Anfangsjahre der Bundeswehr greifbar.
Besonders deutlich wurde dabei das Spannungsfeld, in dem die Gründung der Bundeswehr stattfand. Einerseits stand die junge Bundesrepublik vor der sicherheitspolitischen Herausforderung des Kalten Krieges und der Einbindung in die westliche Verteidigung. Andererseits war die Wiederbewaffnung gesellschaftlich hoch umstritten. Zugleich musste sichergestellt werden, dass die neuen Streitkräfte nicht in Traditionslinien der Wehrmacht fortgeführt, sondern fest in Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und parlamentarische Kontrolle eingebunden wurden.
Damit bildete der Besuch in Andernach einen sehr passenden Abschluss des Tages. Die zuvor im Zentrum für Innere Führung behandelten Grundfragen von soldatischem Selbstverständnis, demokratischer Bindung und militärischer Verantwortung wurden historisch eingeordnet und durch die Ausstellung anschaulich vertieft.
Nach der Führung ging es mit dem Bus zurück nach Trier. Die Exkursion war für unsere Hochschulgruppe fachlich äußerst gewinnbringend und organisatorisch hervorragend vorbereitet. Sie bot nicht nur sicherheitspolitische Bildung, sondern auch konkrete Einblicke in berufliche Perspektiven innerhalb der Bundeswehr und des Bundesministeriums der Verteidigung.
Wir bedanken uns herzlich bei Frau Oberstleutnant, Herrn Oberst i.G., dem zivilen Juristen der Bundeswehr, dem Karrierecenter der Bundeswehr Trier sowie bei Oberstleutnant a.D. Schmidt und seiner Ehefrau für diesen sehr lehrreichen und eindrucksvollen Tag. Die Exkursion hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Bundeswehr und sicherheitspolitisch interessierten Studierenden ist.
