Im Schatten der Großmächte - Australien und Neuseeland im Fokus

Am 11.02.2026 durften wirAndreas Radtke, Leiter des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung für Australien und Neuseeland, zu einem digitalen Gespräch begrüßen. Radtke lebt und arbeitet seit mehreren Jahren in der Region und beschäftigt sich intensiv mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Indopazifik.

Er gab zunächst einen kompakten Überblick über die aktuelle politische Lage in Australien. Dabei ging er auf den Wahlsieg der Labor Party 2025 ein und erklärte, wie das australische Wahlsystem mit Wahlpflicht funktioniert. Zudem beleuchtete er gesellschaftliche Debatten, etwa rund um Multikulturalismus und innere Sicherheit, sowie die wirtschaftliche Struktur des Landes zwischen Rohstoffreichtum, Dienstleistungssektor und der Frage, ob die Energiewende künftig zur industriepolitischen Chance werden kann.

Ein besonderer Fokus lag auf der Außen- und Sicherheitspolitik. Australien ist enger Verbündeter der USA, engagiert sich im Rahmen von AUKUS und steht zugleich in einem intensiven wirtschaftlichen Verhältnis zu China. Diese strategische Balance, sicherheitspolitisch klar im Westen verankert, ökonomisch stark mit China verflochten, prägt die aktuelle außenpolitische Debatte maßgeblich.

Im zweiten Teil wandte sich Radtke Neuseeland zu. Er erläuterte die Besonderheiten des politischen Systems mit Verhältniswahlrecht, die Bedeutung des Vertrags von Waitangi und die Rolle der Māori in aktuellen politischen Diskussionen. Auch Neuseeland steht wirtschaftlich in enger Beziehung zu China, verfolgt jedoch traditionell eine betont eigenständige („independent“) Außenpolitik und eine klare anti-nukleare Linie.

Im anschließenden Q&A nutzten die Studierenden die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen, etwa zur strategischen Bedeutung des Indopazifik für Europa, zur Rolle beider Länder im Spannungsfeld zwischen den USA und China oder zu innenpolitischen Dynamiken in Zeiten globaler Unsicherheit. Radtke nahm sich ausführlich Zeit für die Diskussion und verband analytische Einordnung mit persönlichen Eindrücken aus seiner Arbeit vor Ort.

Das Fazit des Abends: Australien und Neuseeland mögen geografisch weit entfernt sein, sicherheitspolitisch und geoökonomisch spielen sie jedoch eine zunehmend zentrale Rolle. Das Gespräch bot uns einen differenzierten Einblick in zwei Demokratien, die sich in einer sich wandelnden globalen Ordnung neu positionieren müssen.