Joint Cooperation 2025: Wenn Kommunikation zum Einsatzmittel wird

„Joint Cooperation 2025“ zeigte eindrucksvoll, wie internationale Zusammenarbeit zwischen Militär und Zivilgesellschaft in der Praxis funktioniert – realitätsnah, herausfordernd und geprägt von gegenseitigem Vertrauen.

Fragt man Personen auf der Straße nach ihren Assoziationen beim Wort „Militär“, würden wohl die meisten Dinge wie Uniformen, Waffen oder große geschützte grüne Fahrzeuge nennen. Doch welche Assoziationen erscheinen bei den Worten Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ)? Handelt es sich um militärische Einflussnahme im zivilen Bereich, um die Unterstützung des Katastrophenschutzes während eines Hochwassers oder einer Schneekatastrophe? Oder geht es um den Einsatz von Soldaten in Pflegeheimen und Gesundheitsämtern, wie während der Corona-Pandemie? All diese Assoziationen haben einen wahren Kern und doch greifen sie zu kurz, wenn man den umfassenden Begriff der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit oder auch Civil-Military Cooperation (CIMIC) vollständig erfassen will.

 

Im Rahmen der multinationalen Übung „Joint Cooperation 2025“ (JOCO 25) erprobte die Bundeswehr gemeinsam mit 25 weiteren Nationen und rund 350 Soldaten ihre Fähigkeiten auf dem Gebiet der CIMIC. Die Übung fand von Mitte bis Ende Juni 2025 in Norddeutschland statt. Dank der Unterstützung durch den Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen (BSH) war es mir möglich, als Observer an dieser Übung teilzunehmen, Einblicke in die Praxis der zivil-militärischen Zusammenarbeit zu gewinnen und wertvolle internationale Kontakte zu knüpfen.

 

Während sich viele Reservisten bei militärischen Übungen an klassische Szenarien wie „Blauland gegen Rotland“ erinnern, war das Szenario von JOCO 25 weitaus differenzierter und realistischer. Ausgangspunkt war ein zuvor durchgeführtes militärisches Großmanöver in der Region der Suwalki-Lücke, bei dem es zu umfangreichen Truppenverlegungen gekommen war. Auch nach Beendigung des Manövers verblieben NATO-Truppen vor Ort, wodurch sich ein erhöhter Bedarf an Koordination zwischen zivilen und militärischen Akteuren ergab. Die tatsächliche Durchführung der Übung fand in Norddeutschland im Raum zwischen Hannover und Bremen statt, der als fiktive Suwalki-Lücke diente.

 

Die Komplexität der Übung zeigte sich nicht nur im internationalen Charakter, sondern insbesondere in der Vielzahl unterschiedlicher Szenarien. Im Vorfeld wurden über 100 realitätsnahe Lagen entwickelt, die den teilnehmenden Einheiten nicht bekannt waren und für die sie spontan Lösungen entwickeln mussten. Dabei reichte die Bandbreite der Themen von der Errichtung eines Feldlazaretts über die Unterstützung bei der Versorgung von Vertriebenen bis hin zur Sicherung kultureller Güter und der Organisation von Verkehrsflüssen bei militärischen Truppenbewegungen auf zivilen Straßen. In einem Moment ging es um den Betrieb einer Wasseraufbereitungsanlage für die örtliche Bevölkerung, im nächsten um die Kommunikation mit Nichtregierungsorganisationen oder lokale Verwaltungsbehörden.

 

Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Fähigkeiten, die CIMIC-Einheiten innerhalb kurzer Zeit auf Abruf bereitstellten. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Nationen funktionierte bemerkenswert professionell, obwohl Sprachbarrieren und unterschiedliche militärische Kulturen durchaus eine Herausforderung darstellen. Englisch als Übungssprache erleichterte die Koordination, aber die interkulturelle Kompetenz der Teilnehmer spielte eine ebenso große Rolle.

 

Meine Rolle als Beobachter ermöglichte es mir, einen neutralen und reflektierten Blick auf das Übungsgeschehen zu werfen. Ich konnte verschiedenste Briefings und Gespräche begleiten, bei denen stets pragmatische Lösungen im Vordergrund standen. Gleichzeitig bot die Rolle auch Raum für tiefere Gespräche mit Übungsteilnehmern aus Deutschland, Polen, Litauen, den USA, den Niederlanden, Frankreich und anderen Ländern. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Vertrauen, Verlässlichkeit und ein gemeinsames Lageverständnis in der zivil-militärischen Zusammenarbeit sind.

 

Auch abseits der offiziellen Szenarien bot die Übung wichtige Erkenntnisse. Die Organisation einer multinationalen Großübung auf deutschem Boden mit realen Partnern und vielfältigen Schnittstellen zu zivilen Behörden, Hilfsorganisationen und Verwaltungen ist eine enorme logistische Leistung. Die Disziplin, Motivation und das Engagement der beteiligten CIMIC-Kräfte waren jederzeit spürbar und machen deutlich, dass ZMZ weit mehr ist als eine theoretische Ergänzung der militärischen Fähigkeiten. Sie ist ein integraler Bestandteil moderner Streitkräfte, insbesondere in internationalen Einsätzen, aber auch in der nationalen Krisenvorsorge.

 

Insgesamt war meine Teilnahme als Observer bei „Joint Cooperation 2025“ eine sehr bereichernde Erfahrung. Die Übung hat mir auf eindrucksvolle Weise gezeigt, wie relevant und anspruchsvoll zivil-militärische Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert ist. Sie erfordert nicht nur militärisches Fachwissen, sondern auch Fingerspitzengefühl, Empathie und ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, Teil dieser multinationalen Übung gewesen zu sein, und nehme zahlreiche fachliche wie persönliche Eindrücke mit.