Herr Huckfeldt eröffnete seinen Vortrag mit einem Verweis auf die Weltraumstrategie der Bundesregierung. Er erläuterte, dass das Bundeskabinett im November des vergangenen Jahres eine umfassende Strategie verabschiedet hat, die Deutschlands Rolle als verantwortungsvollen Akteur im Weltraum stärken soll. Zudem verwies er auf die Ankündigung von Verteidigungsminister Pistorius, bis 2030 rund 35 Milliarden Euro in Maßnahmen der Weltraumsicherheit zu investieren.
Herr Huckfeldt erläuterte, dass die JMU Würzburg im Bereich der Satellitenforschung stark engagiert ist. Schon im Jahr 2005 startete ein Satellit mit dem Namen UWE1 ins All. Dabei handelte es sich um den ersten deutschen Kleinsatellit, einen kleinen würfelförmigen Satelliten mit einer Kantenlänge von gerade mal 10cm. Im März 2025 wurde der Nanosatellit SONATE-2 ins All gestartet, der erstmals das Training einer KI-Software direkt an Bord eines Satelliten demonstrieren soll. Ab 2027 sollen die beiden Satelliten TAMARIW das KI-unterstütze automome Andocken und Rendezvousmanöver unter Beweis stellen. Diese Projekte zeigen die aktive Rolle unserer Universität in der Kleinsatellitenforschung.
Nachdem die Bedeutung des Orbits für das zivile Leben, besonders für Kommunikation, Navigation und Erdbeobachtung, dargestellt wurde, rückte anschließend die sicherheitspolitische Relevanz des Weltraums in den Fokus.Zunächst erläuterte der Referent die drei erdnahen Umlaufbahnen LEO, MEO und GEO, deren jeweilige Funktionen sowie die Relevanz von Bodenstationen. Anschließend folgte ein Überblick über Methoden Satellitensysteme zu (zer-)stören. Von Anti-Satelliten-Waffen, die heute von mehreren Staaten entwickelt und eingesetzt werden, darunter die USA, Russland, China und Indien.
Bis zu Jamming, also auf elektronische Störsysteme, die gegnerische Satelliten in ihrer Funktionsfähigkeit beeinträchtigen können.
Auf Nachfrage zum KesslerEffekt erläuterte Huckfeldt, dass ein bewusst herbeigeführtes Kaskadenszenario aus strategischer Sicht äußerst unwahrscheinlich sei, da alle großen Raumfahrtnationen selbst auf funktionsfähige Satellitensysteme angewiesen sind. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass der rapide Ausbau großer Satellitenkonstellationen das Risiko unbeabsichtigter Kollisionen erhöht – und damit die Wahrscheinlichkeit eines ungewollten KesslerEffekts langfristig steigen könnte.
Im Hinblick auf Weltraummüll betonte Huckfeldt, dass zwar internationale Leitlinien und Abkommen für einen verantwortungsvollen Umgang existieren, diese jedoch vor allem für zivile Missionen Wirkung entfalten.
Im weiteren Verlauf wurde die europäische Schwerlastrakete Ariane 6 thematisiert, die in diesem Jahr sechs Mal starten soll. In diesem Zusammenhang der Startfähigkeit stellte der Referent die starke Abhängigkeit Deutschlands von den USAheraus. Dazu verfügen die USA im Bereich der Datengewinnung und -auswertung über deutliche Kapazitätsvorteile, während andere NATO-Staaten häufig zeitverzögert auf amerikanische Daten zurückgreifen müssen.In der Diskussion wurde wiederholt die strukturelle Schwäche Europas angesprochen: Es mangele an Investitionen, Forschung und insbesondere strategischer Initiative. Zudem könne Europa stärker von einer vertieften Zusammenarbeit profitieren. Als Beispiel für ein europäisches Kooperationsprojekt wurde TWISTER genannt, das verdeutlicht, dass europäische Unternehmen und Institutionen bereits aktiv sind und dieses Engagement weiter ausbauen sollten – natürlich inklusive zwischenstaatlichen Spannungen, die aus anderen Projekten wie FCAS bekannt sind.Um Deutschlands Position im Weltraumsektor zu stärken, seien unter anderem erweiterte Startkapazitäten (Launcher und Startplattformen) notwendig.
Besonders deutlich wurde die sicherheitspolitische Relevanz weltraumgestützter Sensorik am Beispiel der Raketenfrühwarnung. Huckfeldt erklärte, dass bodengebundene Radarstationen physikalisch an den Radarhorizont gebunden sind und Hyperschallwaffen diesen gezielt umgehen können. Hyperschallgleiter bewegen sich in Höhen zwischen 15 und 50 Kilometern, ändern ihren Kurs während des Fluges und verkürzen Abfangfenster drastisch. Orbital stationierte Sensoren dagegen erfassen Raketenstarts weltweit innerhalb weniger Sekunden, ermöglichen eine lückenlose Verfolgung und bilden damit die Grundlage moderner Frühwarn und Luftverteidigungssysteme.
In der Fragerunde wurde hierbei die Bedeutung Grönlands für das entsprechende Frühwarnsystem der USA angesprochen. Der Referent führte aus, dass das grönländische Festland für die Datengewinnung ein zentraler Stützpfeiler ist: Sowohl Radarstationen als auch eine von zwei arktischen Bodenstationen für Satelliten in sonnensynchronen Orbitsbetreiben die USA auf Grönland. Dem Ausbau militärischer US-Basen stehe nichts im Wege, den Ausgang der tagesaktuellen Debatte um die us-amerikanische Übernahme Grönlands wollte der Referent nicht prognostizieren.
An dieser Stelle bedanken wir uns bei Herrn Huckfeldt für die wertvollen und spannenden Einblicke und bei den Teilnehmenden für das zahlreiche Erscheinen und die gestellten Fragen. Zudem richten wir einen herzlichen Dank an den Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europaforschung sowie den BSH für die Unterstützung.
