Am Mittwoch, dem 11.02., fand das Wargame „Pulverfass Polen“ mit Dr. Philip Schäfer vom German Wargaming Center (Universität der Bundeswehr Hamburg) statt. Ausgangspunkt des Szenarios war der März 2026: eine höchst angespannte Lage in Osteuropa. Der Krieg in der Ukraine galt als eingefroren, während Russland unter dem Vorwand einer gemeinsamen Sicherheitsoperation in Belarus seine Streitkräfte bis unmittelbar an die polnische Grenze mobilisierte. Die russische Operation mit dem Namen „Schutzschild“ war ein unmissverständliches Signal an den Westen, und ganz Europa blickte auf eine explosive Grenze, an der jederzeit ein neuer Krieg ausbrechen könnte.
Acht Teilnehmerinnen übernahmen die Rollen zentraler Akteure – NATO, EU, Westkonglomerat, Ostkonglomerat, USA, die polnische demokratisch-liberale Regenbogenkoalition, die „Alternative für Polen“ (AfP) und Russland. Jede von ihnen verfolgte ein bis drei eigene Missionen, die teilweise destruktiven Charakter hatten und nicht selten im Widerspruch zueinanderstanden. Konflikte, Intrigen und sogenannte „Entanglements“ waren somit vorprogrammiert. Über drei Runden hinweg konnten die Teilnehmenden mehrere Vorschläge für mögliche Spielzüge bzw. Szenarien ausarbeiten. Damit ein Spielzug gültig war, musste er mindestens einen Akteur, eine Aktion und eine daraus resultierende Folge enthalten. Die Einreichung erfolgte anonymisiert und unter Zeitdruck über einen QR‑Code.
Anschließend stimmten alle mithilfe farbiger Magnete über die vorgeschlagenen Aktionen ab. Die Magnete standen symbolisch für vier verschiedene Arten von Ressourcen – ökonomisch, militärisch, informativ und diplomatisch – und konnten je nach Vorgabe durch den Spielleiter auf bestimmte Vorschläge verteilt werden. Die Spielzüge, auf die letztlich die meisten Ressourcen entfielen, bildeten die Grundlage für die jeweils nächste Runde und definierten damit die neue „Realität“ des Spiels, auf die wiederum neue Spielzüge aufbauen konnten.
In knapp dreieinhalb Stunden – mit lediglich einer kurzen zehnminütigen Pause – entwickelte sich ein dynamischer, intensiv diskutierter Verlauf, der das gesamte Spektrum von absurd bis erstaunlich realistisch abdeckte: abenteuerliche Theorien und Verschwörungsszenarien bis zu äußerst plausiblen politischen Entwicklungen prägten das farbenreiche Drama zwischen Realpolitik, Spekulation und kreativer Improvisation. So tauchten etwa Hinweise auf vermeintliche Epstein-Verbindungen auf, während gleichzeitig in Warschau mehrfach die Regierung wechselte, russische Desinformationskampagnen anliefen und sogar andere, nicht direkt vertretene Mächte wie das Vereinigte Königreich mithilfe militärischer Manöver unerwartet ins Spiel gebracht wurden.
Alles in allem war es ein unterhaltsamer, kreativer und zugleich lehrreicher Nachmittag mit Gewinnern und Verlierern, der die Vorfreude auf die nachfolgende Münchner Sicherheitskonferenz noch einmal merklich steigerte. Wir blicken gespannt auf den weiteren Austausch mit dem Referenten und dem German Wargaming Center, das für den Sommer eine Realsimulation auf dem Campus in Hamburg plant, an der wir ebenfalls sehr wahrscheinlich selbst teilnehmen dürfen.

