Regensburger HSG goes Berlin Security Conference

Im Zeitraum vom 18ten bis 19ten November 2025 fand im Vienna House in Berlin die Berlin Security Conference statt. Aus verschiedenen europäischen und nichteuropäischen Staaten kamen Expertinnen und Experten zusammen, um gemeinsam über sicherheitspolitische Herausforderungen zu beraten, mit denen sich Europa und die NATO konfrontiert sehen. Zu den Hauptthemen der Konferenz gehörten in diesem Jahr die vielfältigen Herausforderungen hybrider Kriegsführung, Bedrohungen aus Russland und der Umgang mit der Arktis als geostrategischer Raum. Mitglieder der Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik Regensburg durften an der Sicherheitskonferenz teilhaben und die anliegende Rüstungsmesse besuchen. 

 

Tag 1 / Dienstag 18.11.2025:

 

Um 08.30 wurde die Konferenz im Vienna House zeremoniell vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr eröffnet. Es wurde hierbei die schwedische, deutsche und europäische Hymne gespielt. Schweden als diesjähriges Partnerland der BSC stand während der gesamten Veranstaltung besonders im Fokus. Nach einer kurzen Begrüßung von Dr. Eva-Charlotte Proll vom Behördenspiegel wurde die Konferenz von Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, ihrerseits Mitglied im europäischen Parlament und Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung (SEDE), eröffnet. Ganz besonders wurde unter herzlichem Applaus ihre königliche Hoheit Victoria von Schweden, Kronprinzessin des schwedischen Throns begrüßt. Im Anschluss daran richtete Florian Hahn, Staatsminister im auswärtigen Amt, einige Worte ans Plenum. Die Eröffnungsreden betonten die Wichtigkeit europäischer Kooperation in Sicherheitsfragen angesichts der Zeitenwende nach Russlands Großangriff gegen die Ukraine vor nunmehr fast vier Jahren. Weitere Reden am Vormittag kamen von General Ingo Gerhartz, Befehlshaber des Allied Joint Force Command in Brunssum, Michael Guschlbauer, CEO von Bechtle und Boris Hecker, Managing Director, Head of Public Sector and Defence Germany, Atos Germany. Im Fokus dieser Reden stand vor allem Fragen der Cybersicherheit und der Wehrtüchtigkeit. “More Scharnhorst” nannte Herr Guschlbauer seine Rede hierzu, in Anlehnung an den Preußengeneral, der die allgemeine Wehrpflicht einführte. 

Vor der Mittagspause kam es dann zur ersten “High Level Debate”, ein Format, in dem internationale Experten zu bestimmten Themen in moderierten Gesprächen ausführlich diskutieren. Die erste dieser Debatten behandelte Sicherheitsfragen im europäischen Norden, vom Baltikum bis in die Arktis. Katarina Tracz, Security and Defence Analyst moderierte das Gespräch zwischen Kęstutis Budrys, dem litauischen Außenminister, General Michael Claesson, Kommandeur der schwedischen Streitkräfte, General Markus Laubenthal, Chief of Staff, Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE), Eivind Vad Petersson, Staatssekratär des norwegischen Außenministeriums und Vizeadmiral Frank Trojahn, dänischer Militärrepräsentant bei der NATO. Nach etwa einer Stunde intensiver Gespräche wurden noch Fragen aus dem Publikum beantwortet und dabei besonders auf die strategische Bedeutung von Nordic-Baltic Eight (NB8), einem regionalen Kooperationsformat der acht baltischen und skandinavischen Staaten, eingegangen. 

Während der Mittagspause wurde allen Teilnehmern an der Konferenz ein warmes Buffet präsentiert, sodass man gestärkt in das Programm des Nachmittags übergehen konnte. 

Der Nachmittags begann mit Panel Sessions, bei denen Experten in Kleingruppen (Panel 1-9) in verschiedenen Räumen spezifische Sicherheitsfragen näher behandeln konnten. So berieten in einem Raum Experten zu NATO Capability Targets, parallel dazu fand in einem anderen Raum eine Podiumsdiskussion zu Luftwaffenstreitkräften statt. Andere Experten wiederum diskutierten etwa zu Total-Defence-Strategien, Procurement, spezifischen geostrategischen Herausforderungen im Nordatlantik oder auch zu Möglichkeiten, in der militärischen Beschaffung finanziell-industrielle Prozesse zu beschleunigen. 

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sprach nach den Panel Sessions über die Bedeutung der Verteidigungskooperation zwischen der Bundesrepublik und Schweden. Er unterzeichnete mit seinem Amtskollegen Pål Jonson ein Memorandum of Understanding. Es dient zur Intensivierung der deutsch-schwedischen Partnerschaft in der Sicherheit und Verteidigung. “Wir stehen Schulter an Schulter in stürmischen Zeiten”, sagte der SPD-Politiker. “Sie und wir können aufeinander zählen – im Frieden und im Ernstfall”, versprachen er und Herr Johnson den Truppen beider Staaten. 

Nach einer kurzen Kaffeepause ging es um 16.00 weiter mit einer Rede von Ludwig Biller, dem Direktor von Strategy&, einer internationalen Strategieberatung von PwC. Im Anschluss daran fand die nächste High Level Debate statt, in der es unter Moderation von Dr. Tobias Lindner um den Aufstieg des Autoritarismus in Russland ging, sowie spezifischen Bedrohungen, die von Russland ausgehen und Strategien, wie man darauf reagieren kann. Ejup Maqedonci, der kosovarische Verteidigungsminister, Dr. Gudrun Persson, Senior Analyst in der schwedischen Armee und Arseniy Yatsenyuk, der ehemalige ukrainische Premierminister sprachen etwa eine Stunde zu diesem Thema bevor Steve O’Bryan von der Northrop Grumman Corporation über die Bedeutung transatlantischer industrieller Partnerschaften sprach. Ein Highlight an diesem Tag war die letzte High Level Debate mit dem Titel “Europe’s Role in a multipolar world”. Frau Strack-Zimmermann von der FDP moderierte das Gespräch, an dem unter anderem Matthew Whittaker, der US-NATO-Botschafter teilnahm. Seine Exzellenz betonte, wie wichtig es sei, die Ukraine glaubhaft und langfristig zu unterstützen und er formulierte seine Hoffnung, dass eines Tages Deutschland in der Lage sein würde, die USA als wichtigster Sicherheitsgaranteur Europas abzulösen und den SACEUR, den Supreme Allied Commander Europe, zu stellen. Bisher waren das immer Amerikaner. Außerdem waren Teil der Diskussion Mikael Frisell, Generaldirektor der schwedischen Civil Contingencies Agency, Michael Gahler, Mitglied des europäischen Parlaments, Benjamin Hartmann, diplomatischer Berater in der europäischen Kommission und Lieutenant General Wolfgang Wien, der deutsche Militärrepräsentant bei der NATO. 

Am Ende der offiziellen Termine des ersten Tages hatten die Besucher noch die Möglichkeit, bei einem gemütlichen Drink an der Bar oder an den verschiedenen Ständen der Rüstungsmesse zu networken. So konnten die Mitglieder der Regensburger Hochschulgruppe unter anderem auch Mitglieder aus dem Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen kennenlernen. Es bot sich außerdem die Möglichkeit, mit verschiedenen Vertretern aus Politik, Industrie und Militär ins Gespräch zu kommen. 

 

Tag 2 / Mittwoch 19.11.2025:

 

Der zweite Tag der Konferenz hatte einen ähnlichen Aufbau wie der erste. Eine Mischung aus Reden, High Level Debates und kleineren Podiumsdiskussionen in Panel Sessions waren Teil der Agenda. Highlights des Vormittags beinhalten eine Rede des schwedischen Premierministers Ulf Kristersson. René Obermann, Chairman of the Board of Directors bei Airbus, sprach über die Wichtigkeit der Kooperation Europas in Verteidigungsfragen, insbesondere in Bezug auf einen nuklearen Schutzschirm sowie über Strategien zur Erlangung technologischer und industrieller Wehrhaftigkeit. Danach ging es in einer Podiumsdiskussion um Total-Defence-Strategien. Dr. Christoph Hübner, stellvertretender Leiter der Abteilung Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz im Bundesinnenministerium moderierte das Gespräch zwischen Carl-Oskar Bohlin, dem schwedischen Verteidigungsminister, Dr. Christoph Erdmann von Secusmart, Petteri Korvala aus dem finnischen Sicherheitskomittee und Generalleutnant Alexander Sollfrank, Befehlshaber des operativen Führungskommandos der Bundeswehr. Nach der Mittagspause ging es wieder weiter mit Panel-Sessions, bei denen unter anderem Dr. Gerhard Conrad, der ehemaligen Leiter des Bundesnachrichtendienstes, gemeinsam mit internationalen Experten zu russischen Bedrohungen durch hybride Kriegsführung berieten. In anderen Panellen ging es unter anderem um den Schutz kritischer Infrastruktur, Total Defence, Militärisches R&D, KI im Militär und um Fortschritte in der militärischen Nutzung des Weltraums. 

Im Anschluss daran besuchten einige Mitglieder der Hochschulgruppe die anliegende Rüstungsmesse und kamen unter anderem mit Vertretern der Luftwaffe, Airbus, CwG, CGI und BAE Systems ins Gespräch. Die Zielgruppe der Konferenz und Messe waren politische und militärische Vertreter, doch auch für uns Studenten boten sich diverse Möglichkeiten, den eigenen Horizont zu erweitern und an einer solch renommierten Sicherheitskonferenz teilzunehmen, wodurch man Einblicke erhielt in die Vernetzung von Industrie und Militär und spannende Kontakte knüpfen konnte.