Die Veranstaltung begann mit einem Umriss des Werdegangs des Referenten. Wolfgang Gieler wuchs in den USA auf und kam erst im Jugendalter nach Deutschland. Nach seiner Promotion in der Politikwissenschaft in Münster habilitierte er in Köln im Fachbereich der Ethnologie. Beides war Wolfgang Gieler wichtig zu betonen, da ihn beides mit zwei für das Thema wichtigen Erfahrungen ausgestattet hat – fremd im eigenen Land zu sein und mit fremdem Blick auf den jeweiligen Fachbereich zu schauen. Solch Erfahrungen helfen, über den sprichwörtlichen Tellerrand zu blicken. Entsprechend ermutigte der Referent die anwesenden Studierenden, sich für solche Gelegenheiten zu öffnen.
Dass dies mehr als ein persönlicher Aufruf war, wurde schnell deutlich, als Herr Gieler nach einer kurzen Einführung in die Grundbegriffe einen Überblick über die Geschichte der deutschen bzw. der bundesrepublikanischen Entwicklungspolitik gab. Er zeichnete dies nach von den ersten Ansätzen im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in den 1950er Jahren über die Gründung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) im Jahr 1961 bis heute. Dabei zeigte Herr Gieler über Blickpunkte der einzelnen Dekaden, wie die Entwicklungspolitik stets von unterschiedlichen Interessen und Ereignissen nationaler wie internationaler Politik geprägt war. Doch war es nicht nur diese Wechselfälligkeit in der politischen Ausrichtung, sondern auch die Konstanz bestimmter struktureller Einstellungen wie verbreiteter Ansichten und Herangehensweisen, die einen wirklich gleichberechtigten Austausch und eine empfängerbezogene Ausrichtung blockierten.
Mit teils irrwitzigen Beispielen aus seiner eigenen praktischen Erfahrung konnte Herr Gieler die lokalen Auswirkungen solcher Attitüden skizzieren. Doch zeigte er auch, inwiefern solche auch politische, diplomatische und durchaus ethische Konsequenzen haben und dass es ebenso in der theoretischen und wissenschaftlichen (Selbst-)Betrachtung mehr kritischer Reflexion bedürfe.
Herr Gieler konnte durch seine vielen Erfahrungen ein lebendiges, persönliches und kritisches Bild der Entwicklungszusammenarbeit skizzieren. Entsprechend kam es im anschließenden Austausch zu vielen weiteren Fragen, hinsichtlich der Entwicklungspolitik Deutschlands, aber auch der Zukunft der internationalen Entwicklungspolitik an sich nach dem Wegfall der USAID.
Der Arbeitskreis für Sicherheitspolitik an der Universität Münster (ASiUM) dankt dem Referenten für sein Engagement und für den Austausch.