Veranstaltungsbericht: Desertifikation und Klimawandel, Auswirkungen auf die Staaten der Sahel Zone

Die direkten und indirekten Folgen des Klimawandels sind auch eine relevante Dimension der Sicherheitspolitik, dies ist kein neues Phänomen. Doch wie regional unterschiedlich diese Implikationen ausfallen können hat uns Christian Klatt von der Friedrich Ebert Stiftung in Mali verdeutlicht.

In unserem Q&A: “Desertifikation und Klimawandel: Auswirkungen auf die Staaten der Sahelzone” vom 24.06.2021 skizzierte Herr Klatt die sicherheitspolitische Lage in Mali und bot anschließend die Möglichkeit für den Austausch mit den Teilnehmenden der Veranstaltung.

Der Input von Christian Klatt begann mit einer kurzen geographischen und sozio-ökonomischen Einordnung Malis. Dabei stellter er vor allem die große Fläche und das hohe Bevölkerungswachstum als relevante Faktoren für die politische Stabilität heraus. Desweiteren ist Mali von sehr trockenen Böden geprägt, was es anfälliger für Klimawandel-Folgen, wie der verstärkten Desertifikation macht. Klatt skizzierte die zwei zentralen Herausforderungen Malis wie folgt: zum einen die direkten und indirekten Folgen des Klimawandels, sowie die fehlende Staatlichkeit in großen Gebieten. Einer der Hauptgründe für die inneren Spannungen Malis ist kennzeichnend für die gesamte Sahel-Zone und zwar die durch koloniale Einflüsse gezogenen Grenzen. Der westafrikanische Staat beherbergt eine Vielzahl verschiedener ethnischer Gruppen von denen Einige  im Norden, wie zum Beispiel die Tuareg, ein nomadisches Leben führen. Gerade von ihnen gingen in den letzten Jahrzehnten immer wieder Seperationsbestrebungen aus, was teilweise zu gewaltsamen Konflikten führte. Gleichzeitig sind die fehlende Staatlichkeit und die Klimawandel-Folgen interdependent zu betrachten. Ausbleibende Ernten durch Dürreperioden und Überschwemmungen nehmen vor allem jungen Menschen die Perspektiven und führen dazu, dass sie sich verstärkt lokalen Milizen anschließen. Die Abwesenheit des staatlichen Gewaltmonopols, gerade im besonders trockenen Norden, macht es simultan für den Staat und externe Akteure schwierig Hilfsprojekte dort durchzuführen. Aufgrund der fragilen sicherheitspolitischen Lage in Mali sind dort einige externe Ausbildungs- und Friedensmissionen aktiv, wie zum Beispiel EUTM Mali, Minusma und die französische Operation Barkhane. Wie gefährlich der Einsatz vor Ort ist, zeigte der jüngste Anschlag nördlich von Gao, bei dem zwölf, an Minusma beteiligte, deutsche Soldaten verwundet wurden sind.

Im Anschluss erfolgte eine sehr angeregte Diskussion zwischen den Teilnehmenden und Herr Klatt. Dabei erläuterte er die gegenwärtigen Entwicklungszusammenarbeitsprojekte Deutschlands und der VN. Ebenfalls ging Herr Klatt auf die starke Ablehnung großer Teile der Bevölkerung Malis gegenüber den französischen Truppen vor Ort ein, die aus der kolonialen Vergangenheit und teilweise aus Vorfällen während französischer Militärpoperationen resultieren. Ein großes Interesse seitens der Teilnehmenden bestand auch an der wirtschaftlichen Lage Malis, welche durch eine gering diversifizerte und von Importen abhängige Wirtschaft gekennzeichnet ist.

Wir danken Herr Klatt und der FES für diesen spannenden Einblick in die aktuelle sicherheitspolitische Lage Malis und den Einfluss der Folgen des Klimawandels auf die Stabilität der Region!