Andreas Noll (Deutschlandfunk), der den Abend als Moderator leitete, nahm zu Beginn Bezug auf den aktuellen Kontext: das Scheitern des Rüstungsprojekts FCAS sowie die missglückte Bewerbung Deutschlands für den UN-Sicherheitsrat.
In Bezug auf diese Entwicklungen hob Prof. Dr. Joachim Krause (ISPK, Universität Kiel) hervor, dass die UN-Wahl überbewertet werde. Der Sicherheitsrat sei durch Vetos von Russland und China blockiert und handlungsunfähig. In einer zunehmend anarchischen Welt müsse Deutschland im Rahmen funktionierender Formate wie EU, NATO oder G7 agieren und eine strategische Denkkultur entwickeln. Das FCAS-Projekt scheiterte aus seiner Sicht aufgrund unterschiedlicher Anforderungen der Partnernationen. Für die Zukunft plädierte Krause für pragmatischere Ansätze wie die E3-Kooperation oder einen „Europäischen Sicherheitsrat“ zum Schutz kleinerer Staaten, da das UN-System für ihn strukturell überholt sei.
Dr. Mathilde Leloup (Universität Paris 8) kritisierte die Absage an die UN und deutete das deutsche Scheitern eher als Mangel an europäischer Koordination. Trotz der Blockaden im Sicherheitsrat betonte sie die fundamentale Bedeutung von UN-Sonderorganisationen (wie UNESCO oder Welternährungsprogramm) als unverzichtbare Akteure für Soft Power und den Schutz normativer Werte. Statt die G7 als „Klub-Diplomatie“ zu forcieren, forderte sie eine tiefgreifende Reform des UN-Sicherheitsrates, um die heutige Weltordnung widerzuspiegeln. Einen neuen europäischen Sicherheitsrat lehnte sie ab; stattdessen solle bestehender europäischer Föderalismus gestärkt werden.
In der anschließenden Diskussionsrunde wurden neben der symbolischen Bedeutung von UN-Standorten auch Wege zu mehr strategischem Denken in Deutschland diskutiert – etwa durch neue universitäre Lehrstühle und Forschungsprogramme.
Wir danken den Expert*innen für ihre spannenden Einblicke, den Kooperationspartnern, die uns diese Möglichkeit geboten haben, und allen Teilnehmenden für ihr Interesse!



