Bericht: Wirtschaft und Sicherheit 2021

Das IX. Seminar Wirtschaft und Sicherheit fand vom 4.10.-7.10. endlich wieder in Präsenz in Berlin statt!

 

„Herzlich Willkommen in Berlin“ – so durften ich die Teilnehmenden des neunten Seminars Wirtschaft und Sicherheit am 04. Oktober 2021 begrüßen. Denn dies war die erste Veranstaltung des BSH, die nach mehr als 1,5 Jahren Online-Veranstaltungen endlich wieder in Präsenz stattfinden konnte. Knapp 20 Studierende aus ganz Deutschland waren für vier Tage in die Hauptstadt gekommen, um Vorträge über den sogenannten „integrierten Ansatz“ zu hören und mit den ReferentInnen die Frage zu erörtern, inwieweit der integrierte Ansatz geeignet ist, um Frieden und wirtschaftliche Entwicklung zusammenzubringen.  

 

Den Start machte Dan Krause der Helmut Schmidt Universität Hamburg, der in seinem Vortrag „Von Illusionen, Fehlern und Erfolgsbedingungen westlicher Stabilisierungsbemühungen“ gleich zu Beginn mit einer sehr kritischen Perspektive auf den integrierten Ansatz das Seminar eröffnete. In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere die jüngst beendete Militärmission in Afghanistan sehr lebhaft diskutiert. Nach einem entspannten Abend in der Berliner Kultkneipe ständige Vertretung startet der zweite Tag dann mit einem Vortag von Briece de Schietere, der die Abteilung „Integrated Approach for Security and Peace Directorate“ beim European External Action Service leitet. Darin zeigte er vor allem eine europäische Perspektive zum integrierten Ansatz auf und erläuterte, wie innerhalb der EU bspw. Ausbildungsmissionen wie EUTM Mali koordiniert werden. Der zweite Vortrag an diesem Tag kam von Hanna Hodel, Afrikareferentin des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft. Sie erläuterte in ihrem Vortrag die Rolle, die privatwirtschaftliches Engagement in fragilen Kontexten spielen kann. Dabei zeigte Frau Hodel auf, dass insbesondere Direktinvestitionen einen positiven Beitrag zu Stabilität und Entwicklung leisten können. Eine interessante Debatte entbrannte an der Frage, ob Unternehmen nicht zu profitinteressiert sind und ihre Gewinne ins westliche Ausland abziehen, statt vor Ort für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen. Nach dem Mittagessen fuhren wir nach Berlin-Charlottenburg zum Zentrum Internationale Friedenseinsätze. Dort stellte uns Wanda Hummel die Arbeit des ZIF vor und erklärte, wieso insbesondere der Einsatz von zivilen Fachkräften in Konfliktgebieten wichtig ist. 

 

Am nächsten Morgen pünktlich um 9 Uhr startete der Vortrag von Frau Hauptmann Denise Alten, Jugendoffizier der Bundeswehr. Ihr Vortrag war ganz dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan gewidmet und sie erläuterte darin, inwiefern dieser von integrierten Ansatz geprägt war. Insbesondere die Frage, ob der Einsatz wegen falscher politischer Zielsetzungen von vornerein zum Scheitern verurteilt war, wurde im Anschluss kontrovers diskutiert. Der zweite Vortrag am dritten Tag wurde von Casjen Ohnsorge gehalten, der im Referat Afrikapolitische Grundsätze des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeitet. Der Vortrag widmete sich dem Marshallplan mit Afrika und erläuterte, wieso Deutschland mit bestimmten afrikanischen Staaten sogenannte Reformpartnerschaften unterhält und wie diese einen Beitrag zu langfristiger Stabilität leisten können. Danach ging es wieder raus aus der Jugendherberge und rein in die Stadt: wir statteten der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Pankow einen Besuch ab. Dort hörten wir einen Vortrag von Carolin Wonka und Marius Stahmer, die derzeit von der GIZ an die BAKS entsendet sind. Sie erläuterten aus einer entwicklungspolitischen Perspektive inwiefern der integrierte Ansatz geeignet ist, Frieden und wirtschaftliche Entwicklung zusammenzubringen. 

 

Nach einer weiteren Nacht in der Jugendherberge war das Seminar beinahe schon wieder vorbei. Den letzten Vortrag hielt Dr. Ronja Scheler, die versuchte noch einmal ein Fazit zu ziehen und die Frage zu beantworten, inwieweit das Konzept des integrierten Ansatzes tatsächlich aufgeht. Eine Umfrage unter den Teilnehmenden ergab ein sehr gespaltenes Bild darüber: rund eine Drittel findet, dass das Konzept funktioniert; ein Drittel glaubt, dass es nicht funktioniert und ein weiteres Drittel war der Meinung, dass es weder vollends funktioniert, noch vollends gescheitert ist. Das abschließende Meinungsbild zeigte einmal mehr, wie wichtig eine lebendige Debatte zu sicherheitspolitischen Themen ist und ich freue mich, dass der BSH mit seinen Veranstaltungen einen kleinen Teil dazu beiträgt.