Kauft sich China die Welt?

Die Investitionsmotive des angehenden Hegemonen nehmen weltweit zu – vom Ausbau der Neuen Seidenstraße über Investitionen in Afrika und der Ausbildung hoch qualifizierter Akademiker zeigt das Reich der Mitte in zahlreichen Bereichen starke Präsenz. Doch darüber, wie genau der Einfluss Xi Jinpings in der Welt realistisch einzuschätzen ist, diskutierten die drei Experten Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, Prof. Dr. Ulrich Blum und LL.M.oec. Frank Zeugner unter der Moderation von Prof. Dr. Johannes Varwick Anfang Juni im Rahmen einer Veranstaltung der Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik der Universität Halle. 

 

Einstimmigkeit herrschte vor allem über die innere Instabilität des Landes, die durch die Ambivalenz zwischen urbanen und peripheren Regionen sichtbar wird. Variierende Wirtschaftsleistung und Lebensstandards innerhalb der Volksrepublik verdeutlichen die Heterogenität des Landes.  Geeint werde die Nation durch ihre “Urängste”, die laut den Experten als ein möglicher Erklärungsansatz für das aktuelle Aufstreben Chinas angesehen werden können. Hierbei handele es sich zum einen um die Angst vor dem Kontrollverlust durch externe Mächte, wie es bereits mehrmals in der Historie des Landes geschehen ist, beispielsweise im Rahmen des Opiumkrieges. Zum anderen sei die Angst vor Hunger zu nennen, welche das chinesische Volk gerade in Zeiten der Kulturrevolution erleben musste. Zuletzt sei als drittes die Angst, durch andere Staaten erniedrigt zu werden, zu erwähnen. Um die eigene Stärke der Welt präsentieren zu können, baue China auf Dominanz und Machtdemonstration sowie wirtschaftliches Wachstumsstreben. Sowohl die neue Seidenstraßen - Initiative als auch die Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent dienen als Beispiel für die Investitionsmotive des aufstrebenden Hegemonen. Die an der neuen Seidenstraße liegenden Staaten profitieren, befinden sich aber zugleich in einer wachsenden chinesischen Abhängigkeit. Aufgrund dieser Wachstumsbestrebung Chinas ergebe sich daher eine weltweite sicherheitspolitische Bedrohung. Als weitere Gefahr wurden die zunehmenden Handelswege und der Gebrauch von Ressourcen auf dem afrikanischen Kontinent genannt, die China zunehmend als internationalen Akteur im Rahmen einer neoimperialistischen Weltordnung etabliere. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sei das zunehmend vorhandene westliche Know-How im Land, das durch die Ausbildung junger Chinesen an ausländischen Universitäten importiert wird. Allein in den USA studieren circa 300.000 junge Chinesen, in Deutschland sind es circa 30.000, die nach ihrer Ausbildung mit dem erworbenen Wissen in ihre Heimat zurückkehren. 

 

Die Beispiele der Seidenstraße, Afrika und Akademikern zeigen das gesteigerte chinesische Engagement im internationalen Bereich und die damit einhergehende, nicht zu unterschätzende, Dominanz Chinas. Vor allem die finanzielle Verstrickung in weniger entwickelten Ländern gewährt Raum für chinesische Abhängigkeit. Die Frage “Kauft sich China die Welt?” war daher nicht vollkommen aus der Luft gegriffen und bedarf sicherlich mehr Diskussion und Dialog in der Zukunft.

 

Wir möchten uns hiermit nochmal recht herzlich bei allen Diskutanten für ihre Teilnahme an der Veranstaltung bedanken!

 

Theresa Landmann und Friederike Engelbrecht (Vorstand der HSG Halle)